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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1875-01-01 · Heft 12 · p. Seite 544

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
24 (1875)
Issue
Heft 12
Article
Die Fabel in Talmud und Midrasch
Date
1875-01-01
Page
Seite 544 (sequence 5)
Language
German
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514 Die Fabel in Talmud und Midrasch. gleichg e h a ltige s, ab; wo Einer vor dem Andern auch an innerem Werthe, an geistig-sittlicher Würde, Nichts voraus hat und Nichts voraus haben darf. So erweckt oft die gleiche äußere Gestalt den Glauben an den gleichen inneru G eh alt der Menschen, und der Lasterhafte hält sich oft für ebenso würdig und unschuldig, wie der Tugendhafte ist, und möchte darum auch gerne dieselbe Achtung genießen. Diesem allgeni einen Größenwahns des Menschengeschlechts, namentlich der kleinen Gernegroßen unter den Menschenkindern, sollte eben die Naturfabel entgegenarbeiten. Das Natur-, bes anders das Pflanzen- - und Thierreich, sie bieten neben der reichen Mann igf al ti g k eit in ihren inneren Eigenschaften auch eine gleich große Verschiedenartigkeit in ihrem Aeußern dar; so daß bei ihnen innere Mannigfaltigkeit und äußere Verschredenartigkeit Hand in Hand gehen. Die innerlich edter angelegten Pflanzen und Thiere sind auch äußerlich edler geformt und gestaltet, als die gemeinen; wodurch das Edle und das Gemeine ihrer innern Natnr in ihrem Aeußern ausgeprägt und erkennbar ist. So wie es nun den gemeinen Pflanzen, Thieren und anderen Naturwesen nicht einfallen könnte, sich zu den edlen Geschöpfen ihrer Reiche zu vergleichen, da sie schon ihr A e u ß e r e s als gemeine Naturwesen kennzeichnet; so sollen auch nicht gemeine Menschenseelen zu den besten unb edelsten Kindern des Menschengeschlechts sich vergleichen wollen und dieselbe Anerkennung und Auszeichnung, dieselben Ehren und Würden, verlangen, die nur diesen für ihre Leistungen und Verdienste gebühren. Diesen Lehrzweck hatt e, u. m. A., di e Fabel ursprünglich. Sie sollte an der Hand des für Jeden

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