Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Fabel in Talmud und Midrasch
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 543 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Fabel in Talmud und Midrasch. 543 in der Einleitung zum Hohenlieds aus: אל יהי המשל הזה קל בעיניך שע״י המשל הזה אדם יכול לעמוד ברברי מורה. Und selbst diese Lehre von der Wichtigkeit des Gleichnisses begleitet der Midrasch daselbst wieder mit zahlreichen Gleichnissen, aus welchen ich folgendes, als nach meiner Ansicht das treffendste, hervorhebe משל למלך שאבד והוב מביחו או מרגליה מוכה לא עי״ כמילה כאיסר הוא מוצא אומה, כך המשל הזה לא יהיה קל בעיניך שעי" המשל אדם עומד על דברי חורה. Bildete nun das Gleichniß überhaupt den eigenthümlichsten Grund- und Charakterzug der hebräischen Gedankenkinder; so lag es dem hebräischen Geiste nahe, auch die Fabel zu schaffen, die ihren! Wesen nach eigentlich nichts Anderes als ein belehrendes Gleichniß in erzählender Form ist. Es war ein vortrefflicher, schlauberechneter Gedanke, alle Vorzüge und Schwächen, Licht- und Schattenseiten, guten und schlechten Eigenschaften, kurz alles Löbens- und Tadelnswerthe des Menschengeschlechts in einem dem Naturreiche entlehnten Spiegelbilde zu zeigen. In diesem Naturspiegel sollte der Mensch sich selbst erkennen. Denn nur zu oft richtet der menschliche Geist sein Urtheil nach dem äußern Scheine; und nur d a , wo für das Sein ein Dasein, für das Uu sicht - und Un greifbare ein Sicht- und Greif bares, kurz für das innere Wesen ein äußeres Z e ichen als Zeuge spricht, nur da ist er vom Sein des unsicht- und ungreifbaren Wesens überzeugt und durchdrungen. Da nun aber alle M enschenkinder, bis auf unwesentliche Abweichungen, bei aller Verschiedenartigkeit ihrer g e i st i gsittlichen Anlagen, eine gleiche äußere Gest alt haben, und der Edle vom Gemeinen, der Gute vom Bösen, der Treue vom Falschen, der Vornehme vom Geringen, der Nützliche vom Schädlichen, sich äußerlich nicht unterscheidet; so spiegelt sich in den Allgen der Meisten das Menschengeschlecht nicht nur als ein gleich gestaltig es^, sondern auch als ein