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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1875-01-01 · Heft 12 · p. Seite 542

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
24 (1875)
Issue
Heft 12
Article
Die Fabel in Talmud und Midrasch
Date
1875-01-01
Page
Seite 542 (sequence 3)
Language
German
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542 Sie Fabel in Talmud und Midrasch. י . als dies spricht für diesen Ursprung der fernere Umstand, daß diese zwei ältesten, der hebr. Literatur angehörenden Fabeln den Stempel der Vollendung in solch mustergültiger Weise an sich tragen, wie es nur dann möglich ist, wenn die Fabel zu den einheimischen Musenkindern des Jordanlandes gehörte und sie wirklich einen blühenden Zweig des reichen, gottgesegneten Dichtungsbaumes Israels bildete, der seine Säfte aus dem geweihten Boden Kanaan's sog, und nur der heiligen hebr äischen Muse entströmende Sangestöne in seinen Blättern rauschen ließ. Endlich stimmt aber auch das Wesen der Fabel mit dem Grundzug und dem Geiste der semitischen, beziehungsweise der hebräischen Literatur ganz überein. Der Semite, besonders aber der Hebräer, liebt es, wie wir aus seiner Literatur zur Genüge ersehen, die Darstellung jedes nur einigermaßen wichtigern Gegenstandes, die Mittheilung jedes nur irgendwie beherzigenswerthen, wenn auch sonst nicht allzuschwer zu erfaß senden Gedankens, mit einem Gleichniß zu begleiten, um das vielleicht doch weniger Bekannte und darum auch etwaige Dunkle an dem zu erfassenden Gedanken durch das stets nur allbekannten und ganz klaren Gegen st änden entnommene Gleichniß zu beleuchten und zu verdeutli« chen; damit durch das Bekannte auch das Unbekannte klar erkannt und gründlich ersaßt werde. Schon Hieronymus sagt hierüber in seinem Commentar ad Math• K. 18, V. 23: ״familiare est Syris et maxime Palaestinis, ad omnem sermonem suum parabolas jüngere, ut, quod per Simplex praeceptum ten er i ab auditoribus non potest, per similitudinem exemplaque teneatur.“ Schön drückt sich hierüber der Midrasch so ist man längst darüber einig, daß sie jüngere Produkte sind. Landsberger läßt, so viel ich aus der in der vor. Anm. erwähnten Recension seiner Schrift ersehe, die Fabeln des Sophos ״im 4. oder S. Jahrh." n. Chr. entstehen, ״und der arabische Lokman verliert sich" nach seinem gen. Aufsätze in der Achawa ״als fabelhafte Person bis in den Koran.״

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