Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Fabel in Talmud und Midrasch
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 541 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Fcchel in Talmud und Midrasch. 841 Entwickelungsgang beobachten werde. Doch muß zuvor der th> sprung der Fabel aufgesucht werden, ehe man ihre Spuren in Talmud und Midrasch verfolgt. Der Ursprung der Fabel ist ganz bestimmt im Morgenlande zu suchen und wird auch von Men, die diesen Gegenstand behandeln, einstimmig dahin verlegt. Höchst wahrscheinlich ist sie semitischen, ja, ich möchte noch weiter gehen und behaupten: hebräischen Ursprungs.l) Für ihren hebräischen Ursprung spricht schon der Umstand, daß die ältesten uns bekannten Fabeln der hebräischen Literatur an gehören; da die Fabel des Richtersohnes Jotham im Buche der Richter, K. 9, V. 8 und die des israelitischen Königs Joasch, Kön. Il, K. 14, V. 9, die zwei ältesten Fabeln sind, die wir kennen, älter als die ältesten indischen und griechischen Fabeln. י) Noch mehr aber ') Wie ich nachträgl ich aus Frankens Monatsschr., Jahrg. 1860, S. 72, ersehe, ist auch Landsberger in seiner dort besprochenen Schrift ״die Fabeln des Sophos" u. s. w. ״nebst literarischen Vorbemerkungen und einer einleitenden Untersuchung über das Vaterland der Fabel" zu demselben Resultate gelangt. Das Buch selbst jedoch ist mir bis heute nicht zu Gesicht gekommen. So viel aber aus der gen. Recension zu ersehen ist, ist seine Beweisführung eine ganz andere, als die hier gegebene. Schließlich bemerke ich noch, daß ich, nachdem dieser Aufsatz beendet war, durch Frankels Monatsschr., Jahrg. 1867, S. 318, aufmerksam gemacht, mir das Jahrbuch ״Achawa" für 1866 kommen ließ, wo sich ein Aufsatz ״Ueber die Fabel bei den Hebräern" von Landsberger findet, dort ist aber Nichts über den Ursprung und das Vaterland der Fabel gesagt. *) Nach Grätz, Gesch. d. I., B. 1, S. 348, in der Anmerkung das. hält Max Müller die indische Fabeljammlung Hitopadesa für ״viel jünger" als die Fabelsammlung kantsoüa-l'antra. kantseka-lantra aber ist nachdem dortigen Citat aus LaneereLu ״erst im fünften Jahrh. n a ch ch r i st l. Z. entstanden." Die Identität der ״Fabeln des Bidpai" mit dem Rltopadesa gilt heute schon als ausgemacht. Was nun die griechischen Fabeln des Aesop betrifft, so rühren sie von Babrios her <6. 206 v. Chr.). Aber selbst die Wirklichkeit eines Fabeldichters Aesop angenommen, der o. 560 v. Chr. gelebt haben solle, sind sie noch immer viel jünger, als die oben gen. Fabeln des Jotham und Joasch. Was endlich die syrischen Fabeln des Sophos und die arabischen des Lokman anbelangt