Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Graecus Venetus [Rezension]
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 516 (sequence 4)
- Language
- German
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Recrnsisnen. 516 verhalten, ohne nach der einen oder der anderen Seite hin sich entschieden zu äußern, ist es nöthig, daß .wir unsere Meinung ausführlicher motiviren. In unserer Version ״das letzte Erzeugniß des jüdischen Hellenismus" zu erblicken, dazu fehlt nach unserem Dafürhalten vollends jede Berechtigung. Zwischen der jüdisch-hellenistischen Literatur und dem Werke eines griechischen Juden des 14. oder 15. Jahrhunderts läßt sich gar keine Continuität erkennen oder auch nur voraussetzen. Die griechischen Juden, d h. Rabbaniten des Mittelalters, über deren Zustände wir leider nur aus sehr spärlichen Quellen uns belehren können, haben uns allerdings kein irgendwie epochemachendes Werk zurückgelaffen, auch ist keine Kunde von einem in Griechenland emporgewachsenen bedeutenden jüdischen Denker, Dichter oder Gelehrten auf uns gekommen. . Ihre bedeutendsten Kenner des Talmuds werden wohl kaum den mittelmäßigsten Vertreter der deutsch-französischen Schule überragt haben, und mit ihrem spa- Nischen oder auch nur mit ihren italienischen Glaubensgenoffen könnten sie, was Vielseitigkeit der Bildung und wissenschaftliche Leistungsfähigkeit betrifft, auch nicht im Entferntesten verglichen werden. Aber ein für mittelalterliche Juden im Allgemeinen gültiges Durchschnittsmaaß von Kenntniß der Bibel und der Tradition dürfen und muffen wir auch bei ihnen, besonders bei ihren Rabbinern voraussetzeu. Unmöglich können wir glauben, daß bei ihnen nicht mindestens der Pentateuch Allen geläufig gewesen wäre, daß nicht ihre Gelehrteren eine, mim auch nicht originelle, aber dennoch genügende Kenntniß der religionsgeschichtlichen Literatur beseffen hätten. Der Vertent des 6rsscus Venetus aber zeigt, namentlich in der Uebecsetzung des Pentateuchs, Blößen, die wir bei keinem Juden des Mittelalters voraussetzen dürfen. Es wurde bereits erwähnt, daß er für מסודן Exod. 34, 34 und 35 (Zweig) setzt, wozu er durch ein Mißverständniß der Erklärung der entsprechenden Stelle in Kimchi's Wörterbuche gelangt ist. Nun fragen wir