Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Geschichte der Juden von Bordeaux
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 510 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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610 Zur Geschichte der Juden von Bordeaux. des gelben Hutes von Avignon und Ferrara. Daraus folgt, daß die Gegenparteien, (die Portugiesen in Bordeaux) welche zu derselben Nation und Partei gehören, wie Londrade und la Costa, denselben Glauben haben und in Wahrheit Juden sind, trotz der Eide, welche sie leisten, daß sie gute Christen seien. Sie haben in die Gruben des Rathhauses die jüdischen Phylakterien (Tephillin) geworfen, Lederriemen uub Pergament, auf welche hebräische Zeichen geschrieben stehen." Um sich von dieser schweren Anklage zu reinigen, mußten die Juden von Bordeaux ein heuchlerisches Bekenntniß abtegen: daß die Eifersucht auf die Reichthümer, die sie erwarben, sie als Juden zur Untersuchung ziehen ließ, was sie aber gar nicht feien, sondern daß sie gute Christen und Katholiken seien. Das Parlament von Bordeaux schützte sie aber wieder energisch und erlangte das Verbot einer inquisitorischen Verfolgung gegen sie. Indessen erließ doch Marie von Medicis, die Mutter Ludwigs XIU ein Edikt (1615) des Inhaltes, daß in Nachahmung der frühern franzöfischen Könige, welche in Folge des schönen Titels ״sehr christlich" die Juden verabscheuten und sie aus dem Lande wiesen, der König den verkappten Juden befehle und auch sonstige (Juifs deguisös ou autrement) innerhalb eines Monats bei Vermeidung der Todesstrafe das Land zu verlassen. Der giftige Lauere meinte, dieses Edikt sei von irgend einem Engel des Himmels diktirt worden. Dieser Engel wird wohl eine geistliche Soutane getragen haben. Auch gegen die Feindseligkeit der Königin- Mutter schützten die Juden das Parlainent und die Näthe von Bordeaux. Maloezin vermuthet, daß der jüdische Arzt Elia de Montalto, eine medicinische Celebrität jener Zeit, sich zu Gunsten seiner Stammgenossen verwendet haben mag, um dem Edikte die Spitze abzubrechen. Montalto wurde nämlich von Maria de Medicis als ärztlicher Rath für den Hof gesucht und ließ sich nur unter der Bedingung herbei, seine Kunst in Frankreich auszuüben, wenn ihm gestattet würde, sich frei und offen