Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Geschichte der Juden von Bordeaux
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 507 (sequence 8)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Juden von Bordeaux. 807 ertheilte Jndigenatsedikt eo ipso null und nichtig. Es dauerte auch nicht lange, so wurde die Sicherheit der kleinen Gemeinde gestört. Flüchtige spanische Marranen hatten sich eingefunden und wurden von den Portugiesen brüderlich ausgenommen. Dieser Zuwachs von Kaufleuten erregte den Brodneid. Die kirch« liche Unduldsamkeit witterte zu dem bald heraus, daß diese sogenannten Neu-Christen verkappte Juden waren. Die niedrige Bevölkerung wurde gegen sie gehetzt, um ihre Verbannung aus der Stadt zu erwirken. Einschüchterungen und Drohungen wurden gegen sie angewendet, und Verbrechen ihnen zur Last gelegt. Es war in der Zeit des Bartholomäusnacht-Gemetzels, als der katholische Fanatismus bis zur Glühhitze gesteigert war. Wenn die mächtigen Calvinisten in ganz Frankreich in Blut erstickt wurden, wie sollten da die winzigen und arger Ketzerei angeklagten Pseudo-Christen bestehen können! Die Protektionen ihrer Stammqenossen, welche ihren jüdischen Ursprung abgestreift hatten, konnten ihnen in dieser Zeit des schwarzen Terrorismus nicht viel nützen. Sie selbst waren verdächtig. Die marranischeu Jünger, welche Govea für die Universität von Bordeaux mitgebracht hatten, wurden vom Parlament in Verdacht gehalten, daß sie für die ketzerische Lehre der Reformation Propaganda machten. Gelida selbst wurde verfolgt, weil seine Frau angeschuldigt wurde, jüdische Riten beobachtet zu haben. Um so merkwürdiger ist es, daß die sogenannten Neu-Christen von Bordeaux trotz der Böswilligkeit ihrer Feinde auch in dieser Zeit geduldet wurden. Das Parlament von Guienne und die Stadträthe von Bordeaux nahmen sich ihrer warm an, weil die Marranen dem Lande durch ihre Reichthümer und ihre aus gebreiteten Geschäfte Vortheile brachten. Daraufhin erneuerte Heinrich UI das von seinem Vater ihnen ertheilte Privilegium 1574, erweiterte es dahin, daß auch die Spanier darin eingeschlossen wurden, und befahl, es vom Parlament einregistriren zu lassen. Der Wortlaut dieses zweiten lettre» yatentes wurde auch von D'Etchsverry mitgetheilt (p. 49 fg).