Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1875-01-01 · Heft 11 · p. Seite 490

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
24 (1875)
Issue
Heft 11
Article
Kritische Auslegung des neun und vierzigsten Psalmes
Date
1875-01-01
Page
Seite 490 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829458-2829470-2869003--16466-2869032
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

490 Kritische Auslegung des neun und vierzigsten PsalmeS. Strophe enthält demnach einen Fortschritt. — Man kann daher diesen Ps. nicht mit Ps. 37, 73 und 92 vergleichen: er hat nur äußerliche Aehnlichkeit mit ihnen. Unser Ps. ist ein R üge ps alm, er ist gegen die süffisanten Reichen gerichtet, und stempelt sie als gedankenlose Thoren; weil sie, obwohl sie täglich das Sterben von Weisen und Thoren, und selbst der Mächtigsten der Erde vor Augen haben, sich einbilden, ewig zu leben und ihre Güter zu behalten. Ps. 37 und 93 dagegen sind Trostpsalme. Sie ermuthigten die Frommen, treu auszuharren und sich von der blühenden Lage der Frevler nicht entmuthigen zu lassen. Ps. 73 aber ist ein Ermahnungspsalm worin der Psalmift auseinandersetzt, daß er mit so Vielen sich beinah von dem Loose der glücklichen Frevler hätte verleiten laffen, ihre Wege zu gehen, bis ihm die richtige Einsicht geworden ist, daß das Glück der Frevler nicht von Dauer sei. Im Grunde spricht unser Psalm gar nicht von Frevlern, sondern von hartherzigen Reichen: daß diese auch boshaft sind, wird nur angedeutet. Die drei ähnlichen Psalmen dagegen sprechen lediglich von vollendeten Frevlern, 3 ,73) הוללים . . . כל וזנה סמך;(35 ,37) רשע עריץ, 27); 8 ,92) פעלי און). Endlich unterscheidet sich Ps. 49 noch von den ihm ähnlichen, daß er die Auferstehungslehre mit hineinzieht und den hartherzigen Reichen die Wiedererweckung abspricht. Er enthält also einen Gedanken, der bei den übrigen nicht vorkommt. In poetischer Beziehung steht Ps. 49 dem 73t. und 92t. nach, aber er ist rhythmischer gebaut als der 37t., welcher nur aus lose aneinandergereihten Sentenzen be« steht. Was die Abfassungszeit betrifft, so giebt der Inhalt keinen bestimmt orientirenden Anhaltspunkt dafür an. Nur zwei Momente scheinen dafür zu sprechen, daß er der E x i l s z e i t angehört. Einmal das Hervorheben der W e i s h e i t und Einsicht. Der Psalmist recurrirt nicht auf die Vorgänge der Vor-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.