Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Familie Gradis
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 457 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Familie Gradls. 457 trotzdem blieb David Gradis den Geschäften abgeneigt. Nach Bordeaux zurückgekehrt, betrieb er mit Leidenschaft Mathematik und Philosophie und raubte seinen. Augen den Schlaf, als wenn seine Tagesmuße für ihn nicht ausgereicht hätte, sich die Schätze der Wissenschaft anzueignen. Indessen gelang es doch seinem Großonkel Ahraham, welcher seine bedeutende Fähigkeit für die Geschäfte des Hauses Gradis verwerthen wollte, ihn dahin zu bringen, daß er in das Comptoir eintrat. Einmal eingetreten (1767), wendete er den Geschäften sei-- nen ganzen Eifer zu, brachte Ordnung hinein, ließ wichtige ansstehende Posten einziehen und erlangte das unbedingte Vertrauen seiner Oheime in seine Geschäftskenntniß. Diese ging so weit, daß sein Oheim Moses Gradis I ihn in feierlicher Weise zum alleinigen Leiter des ganzen Geschäftshauses nach seinem Ableben ernannte und ihn damit den ältern Brüdern voranstellte. Die Brüder Moses kl, Abraham und Jakob waren mit diesem Arrangement völlig einverstanden und ordneten sich ihm neidlos unter. Nach Moses' Tod (1788), folgte ihin David ohne weiteres als Chef nach. Kaum hatte er die Geschäftsleitung ein Jahr geführt, brach die große Revolution von 89 aus, welche dem Hause Gradis sreudige und unangenehme Tage, Ehren und Verluste bringen sollte. Es zeugte von großer Hochachtung und Beliebtheit, daß die christlichen Wähler den Juden David Gradis in indirekter Wahl zum Wahlmann für die mit Spannung vollzogene, einer Regeneration Frankreichs verkündende Notabelen-Versammlung ernannte und es fehlten ihm nur drei Stimmen, um als Deputirter gewählt zu werden. Seine Wahl hätte vielleicht auf den Gang der mit so vieler Leidenschaftlichkeit behandelten Frage der Gleichstellung der Juden Einfluß gehabt. Denn als die Emancipationsfrage in der National-Versammlnng, die sich aus der Notabelen-Versammlung so siegesgewiß entpuppt hatte, zur Sprache kam, wiesen die Gegner sie mit dem Bemerken ab, sie sei unberechtigt