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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1875-01-01 · Heft 10 · p. Seite 456

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
24 (1875)
Issue
Heft 10
Article
Die Familie Gradis
Date
1875-01-01
Page
Seite 456 (sequence 10)
Language
German
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456 Die Familie Gradis. schüft zu erhalten. Mehr scheint er während der achtjährigen Leitung des Hauses nicht gethan zu haben. Er war edelmüthig ohne Unterschied, und bei seinem Tode (1788) ließen die Kirchen- Vorsteher einer Parochie in Bordeaux für ihn die Glocken läuten. Man stand allerdings damals an der Pforte der großen Nevolution, welche die Gleichheit zum Triumphe bringen sollte. Da auch er kinderlos starb, so ging die Erbschaft auf die vier Sohne seines Bruders Benjamin l und die Leitung des Vermögensstandes, das nach der Verfügung der Erblasser ungetheilt bleiben sollte, auf David Gradis II über. Dieser war der erste Abkömmling dieser ausgezeichneten Familie, welcher sich auch auf die Wissenschaft verlegte. Ja, es schien Anfangs, als sollte seine Liebe zu den Studien ihn von den Geschäften fern halten. David Gradis (geb. 174L) war nämlich in seiner Jugend von wildem, ungestümem Temperamente, und seine Eltern, die es nicht zu bändigen vermochten, sandten ihn im fünfzehnten Lebensjahre zur Erziehung nach London zu einem befreundeten Banquier Mendes Dacosta. In England.sollte sein Blut sich abkühlen, und er Gesetztheit lernen. Decosta vertrauete ihn zur Erziehung einem kenntnißreichen Manne, Namens B e l is a r, an, der, obwohl er in Handlungshäusern beschäftigt war, doch auch als Rabbiner galt. Tiefer Belisar brachte seinem jungen Zögling David Geschmack für die Wissenschaft und besonders für die Mathematik bei. Die exakte Wissenschaft bildete auch seinen Geist und mäßigte sein Temperament. Seine Liebe zu den Studien war so groß, daß er es verschmähte in ein Geschäft zu treten, welches sein Großonkel Abraham Gradis ihm in London unter der Leitung seines Lehrers und Erziehers errichten wollte. Nach kaum dreijährigem Aufenthalte kehrte er völlig verändert von England zurück, sah sich auf dem Rückwege in Amsterdam um, wo bedeutende Handelsherren sephardischer Abkunft eine geachtete Stellung einnahmen. . Aber

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