Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1875-01-01 · Heft 10 · p. Seite 454

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
24 (1875)
Issue
Heft 10
Article
Die Familie Gradis
Date
1875-01-01
Page
Seite 454 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829458-2829469-2868941--16424-2868978
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

454 Die Familie Gradis. pater Lava leite, welcher an der Spitze der reichsten und mächtigsten Congregation stand und auch Handel im großen Style betrieb. Ihm machte Abraham Gradis einen Vorschuß von 400,000 Fr. Er empfing öfter Besuche von dem Jesuiten- Superior in seinem Hause und war von seinem einnehmenden Wesen entzückt. Nichts desto weniger brach er allmälig die Geschäftsverbindung mit ihm ab, weil er den Sturz der colosialen Unternehmungen der Jesuiten voraus ahnte, sonst wäre er in die Calamität hineingezogen worden, welche anderen Geschäfts- Häusern den Ruin gebracht hat. Eben so zog er sich von den Geschäften mit dem Staate zurück, als die Finanzklemme ihn den Ausbruch der Revolution ahnen ließ. Abraham Gradis war aber nicht blos ein speculativer und kluger Geschäftsmann, sondern auch ein edelmüthiger Mensch. Er hat niemals einen Dienst verweigert, noch auf Zahlung ausgeliehener Gelder an Privatleute gedrungen. Seine Kaffe stand für alle Officiere der Marine offen, die Zahl seiner Schuldner nahm von Jahr zu Jahr zu, und die Schulden betrafen hohe Summen. Und er hat nie um Zahlung angehalten. Auf seinem Todtenbette verfügte er, daß Wechsel auf Privatleute im Betrage von 90,000 Fr. in seinen Sarg gelegt werden mögen, was auch zur Freude der Schuldner gewissenhaft ausgeführt wurde. Seine Wohlthätigkeit kannte keine Grenzen; er gab mit vollen Händen und mit Freudigkeit. Als die Hungersnoth in den französischen Colonieu die Bevölkerung decimirte, sandte er 17 Schiffe, welche Lebensmittel dahin befördern sollten. ') Obwohl er mit hochstehenden Persönlichkeiten verkehrte und in seinem Hause öfter distinguirte Gäste bewirthete, so schämte er sich doch seines Bekenntnisses nicht, sondern erfüllte seine religiösen Pflichten, wie die commercialen mit Gewiffenhaftigkeit. Auf seiner Domaine Caleuce bei Bordeaux ließ er sich ') Detchevcrry a. 0. O. S. 95. Der Abbe Gregoire hat diesen Zug ,u Gunsten der Emancipation der Juden geltend gemacht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.