Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die christliche Absolutions-Idee im Judenthum
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 414 (sequence 5)
- Language
- German
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414 Die christliche Absolutions-Idee im Judenthum. läßlich erklärt, und dieser Beschluß auch im Tridentinischen Coneil bestätigt wurde. Diese Bewegung zu Gunsten des Einflusses, der Macht und des Glanzes der Priester auf dem Gebiete der Kirche ließ auch das Judenthum nicht unberührt, zumal danials das ortentalische Exilarchat noch bestand. Zur Zeit des Concils in CHSlons lebte R. Amram, welcher das Gebetritual normirte. Die Verhandlungen über das christliche Beichtsystem beschäftigten wohl auch ihn, und er scheint diese um so mehr mit Aufmerksamkeit verfolgt zu haben, nicht blos weil in dem Rechte der priesterlichen Absolution die hohe Stellung und Macht des Priesters zu erkennen gegeben war, sondern auch weil er dafür Anknüpfungen in dem hohenpriesterlichen Ritual des Versöhnungstages zu finden vermeinte. Aus der damaligen Zeit stammt auch die erste Beschreibung des hohenpriesterlichen Sühne-Rituals am Versohnungstage mit Hervorhebung all des priesterlichen Pomps und Glanzes : das noch reimlose sogenannte סדר עמדה von Josi ben Josi, der es vielleicht im Aufträge R. Amram's verfaßte, und in desien Gebetritual es auch Auflrahme fand. Auf die genaue Uebereinstimmung mit den traditionellen Ueberlieferungen der einzelnen Specialitäten und Details im Opferritual kam es jener Zeit nicht an, denn die vorhandenen Dichtungen sind in dieser Beziehung alle nicht correkt; es kam nur auf das Vorbild des hohenpriesterlichen Glanzes und Machteinfluffes an, das man nachahmen wollte, wie Jacob ben Ascher (Tur I, 621) ausdrücklich hervorhebt (יכן אנו עושין לדוגמא). Man ging sogar so weit, dem Hohenpriester, eine Absolution nach christlicher Anschauungsweise und Praxis in den Mund zu legen, um auf diese Weise das christliche Beichtsystem einzuschmuggeln, indem man dem Namen Gottes in לפני יה תטהרו so lange im Gesänge ausdehnen und von dem folgenden Worte trennen ließ, um mit emphatischem Priester-Dünkel dem knieenden Volke nachher das ״ תטהרוIhr sollet rein sein" entgegenrufen zu können. Es heißt