Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Aktenstücke zur Confiscation der jüdischen Schriften in Frankfurt a. M. unter Kaiser Maximilian durch Pfefferkorns Angeberei
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 392 (sequence 8)
- Language
- German
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392 Aktenstücke zur Gonfiscation der jüdischen Schriften in Franks, a. M. richt über den Befund der Bücher ertheilt haben werde. Der Termin war auf den 15. Schebat (25. Januar) 1510 angesetzt. In dem Schreiben an den Erzbischof sei wiederholentlich betont gewesen, daß es des Kaisers Absicht keinesweges sei, die Privilegien (der Juden) aufzuheben, die sie auf den Concilien erhalten hatten. Das Schreiben an den Erzbischof hatte der Marschalk desselben (Hutten) gelesen, die übrigen drei kaiserlichen Schreiben seien ihm (Jonathan) vorgelesen worden: sie seien so ziemlich übereinstimmend gewesen, da der Kaiser sein erstes Mandat nicht habe geradezu zurücknehmen wollen. Die Sache habe sich indeß hingezogen, so berichtet dieser iveiter, weil der Kaiser die Schreiben unterzeichnen sollte. So vergingen acht Tage und er glaubte jeden Tag abreisen zu können. ״Hätte ich die Summe in Händen gehabt, die zu heben Ihr mich ermächtigt habet, so hätte ich höchst wahrscheinlich die Schreiben erhalten, daß der Erzbischof bevollmächtigt sei, uns die Schriften wiederzugeben, und den Apostaten mit richtigen Einwürfen zu widerlegen. Und wenn wir vor dem Kaiser oder seinen Bevollmächtigten erschienen wären, hätte der Apostat nichts erwidern und nicht das Haupt erheben können." ״Was soll ich aber sagen? Alles, was ich oben berichtet, ist umgestoßen worden"! Der Apostat und die Räthe haben beim Kaiser durchgesetzt, daß er an den Erzbischof schrieb, daß er (Pfefferkorn) Commissarius in der Sache sei, und mit dem Erzbischof zusammen sitzen, auch Victor von Karben und noch ein Doctor aus Köln (Hochstraten), ein Doctor aus Heidelberg und ein Doctor Reuchlin aus Stuttgart zugezogen werden sollen. Ausdrücklich schrieb er (der Kaiser) in dem Commiffionsschreiben, daß der Erzbischof die Sache gestört habe, daß der Apostat nicht die (angeschuldigten) Schriften in Händen bekommen konnte. Aber( an dem Tage, an dem er mit den Doctoren zusammenkommen werde, sollten ihm (Pfefferkorn) alle Schriften vorgelegt werden, und