Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 3)
- Language
- German
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332 Recension. voller, als ihr Gegenstand der so selten tiefere Untersuchung unterworfenen hebräischen Syntax angehört. Es ist dieser Gegenstand die Lehre non Gebrauch der Tempora, einer der schwierigsten, wenn nicht der schwierigste, aber jedenfalls der dornenvollste und wichtigste Theil der hebräischen Grammatik. Die zwei Grundformen des hebräischen Verbums müssen für das ganze Netzwerk von Tempora und Modi ausreichen, für welche die indogermanischen, und selbst niedriger stehende Sprachen eine ganze Fülle von Formen geschaffen haben. Und dieser Armuh von Verbalformen konnte auch keine reich gegliederte Partikelschaar zu Hilfe, welche z. B. dem Griechen erlaubte, Gedanken und Einpfindungen auch in den feinem Nuancen mit anmuthig sich anschmiegenden Wendungen auszudrücken. Diese Dürftigkeit indessen, welche das hebräische, — das hierin von der arabischen Schwestersprache weit überholt erscheint, — in seinen Verbalforinen zeigt, darf kein Motiv sein, die Sprache der Propheten und Psalmisten, der israelitischen Lehre und Geschichtschreibung als syntaktisch tief stehend zu betrachten. Wir möchten hier, wenn eine solche Vergleichung zu wagen ist, das Urtheil anwenden, welches Steinthal in seiner ״Charakteristik der Sprachtypen" über das auf der ersten Stufe menschlicher Sprachbildung auf der der Einsylbigkeit stehen gebliebene Chinesisch fällt. Dieses steht nach den! genannten Sprachphilosophen trotz seiner fast vollständigen Formenarmuth dennoch grammatisch höher, als die von Ueberfülle der Formen strotzenden malayischen und ähnl. Sprachen, weil es in den ihm zu Gebote stehenden Ersatzmitteln der Flexion, in der Betonung der Wörter und ihrer Stellung zu einander, eine sowohl den Modiftcationen des Begriffes, als den Verbindungerl der Gedanken durchaus gerecht werdende Unterscheidungsfähigkeit und Energie enthaltet. Dieses Steinthalische Urtheil, das freilich von andern Autoritäten als paradox erklärt wird, klingt jedenfalls minder paradox, wenn man davon in Bezug auf die Syntax, speciell die Zeitformen der hebräischen