Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zur Pentateuch-Kritik
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Pentateuch-Kritik. 305 sich erlaubt haben, nicht nur Interpolationen in der gewöhnlichen Bedeutung dieses Wortes in das Gesetz hineinzutragen, sondern auch den ursprünglichen Text vorsätzlich zur Erreichung eines gewissen Zweckes zu ändern. Es muß dazu ein gewisses Kriterium gefunden werden, und dies ist bei ihm das Buch Ezechiel. ״Ezechiel war Priester; folglich war ihm das Gesetz, wie es zu seiner Zeit war, am besten bekannt. Was daher im Pentateuche mit der Mittheilung des Buches Ezechiel nicht übereinstimmt, ist von späterem Datum, ist von Esra." Man wäre nun berechtigt zu der folgenden Frage: Wie? Folgt nicht schon aus dem, was Dozy von Jeremia und den falschen Propheten behauptet hat, deutlich genug, daß gewisse Partien im Pentateuche von Esra herrühren? Braucht er dazu ein anderes Kriterium? Hat ja Dozy schon mitgetheilt, daß Jeremia den sogenannten falschen Priestern Fälschung des Gesetzes vorhält und ferner behauptet, die Opfer seien nicht von dem Ewigen geboten worden. Nun hat Jeremia entweder gelogen — und dies ist nach Dozy o. 8. in der That der Fall, indem sie fest überzeugt sind, daß bis auf Jeremia's Zeiten, die jüdische Religion ein grobsinnliches Heidenthum war und erst zu Jerenna's Zeit Mittel angewendet wurden, um durch Einführung des Monotheismus das Heidenthum auszurotten — oder Jeremia hat die Wahrheit gesagt. In beiden Fällen aber kann der Opfercultus vor Jeremia und auch zu seiner Zeit nicht anders als durchaus heidnisch gewesen sein, während der im Pentateuch sich besindliche ein monotheistisches Gepräge trägt. Hieraus folgt wohl, daß gewisse Stücke und zwar ein großer Theil des Pentateuchs näml. der ganze Opfercultus nach dein Exil von Esra entweder gänzlich eingeschoben, oder eine Umarbeitung des ursprünglichen, heidnischen Cultus ist. Hat aber Dozy darum das Buch Ezechiel als Kriterium benutzen wollen, um dazuthun, daß sogar, auf dem Standpunkte der dogmatischen Ansichten über den Pentateuch unüberwindliche Schwierigkeiten sich darbieten, Frankrl, Monatsschrift xxiv 7 20