Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Vermischung von Jüdischem und Heidnischem aus neuer und alter Zeit
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 2)
- Language
- German
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270 Vermischungen von Jüdischem und Heidnischem Erforschung als wünschenswerth. Da die Formel in hebräischen Charakteren abgefaßt ist, so darf man hieraus wie aus dem Fundorte schließen, daß sie unter Juden im Gebrauche war; sie kann demnach als ein Zeugniß gelten von dem Verkehre unzweifelhaft heidnischer Anschauungen unter den deutschen Juden des Mittelalters. Dieser Umstand giebt ihr auch ein Anrecht auf einen Platz in dieser Zeitschrift, wenngleich das Idiom und der Inhalt sie zunächst auf germanistische Kreise auweist. Möge sie von hier aus den Weg in diese Kreise und somit ihre völlige Erklärung finden! Die Sprache des Gedichts, wie es uns vorliegt, ist im Ganzen und Großen spät mittelhochdeutsch, doch enthält es meiner Ansicht nach auch althochdeutsche Reste und dürfte es wahrscheinlich viel älter sein, als nach seiner jetzigen Fassung und Niederschrift vermuthet werden kann. Beachtensmerth ist die eigenthümliche Umschreibung des Deutschen, welche theilweise die hebräischen Vokale zu Hülfe nehmen muß. Die auch dem germanistischen Laien erkennbare Korrektheit der Sprache und Schrift läßt eine genaue Bekanntschaft des Schreibers mit dem Deutschen voraussetzen: so ist das nhd. v, für das wir k schreiben, richtig immer mit 1 nicht mit פ (das nur bei zwei mir unverständlichen Wörtern gebraucht ist) wiedergegeben und Schreibungen wie Oll ---- vadem (Faden), ויש — visch (Fisch), DIU bodem (Boden), וי — sö (See) können nur einer in der deutschen Rechtschreibung geübten Hand entstammen. Ist es nun auch eine längst bekannte Tyatsache, daß die deutschen Juden des Mittelalters der heimischen Sprache und Literatur nicht fern standen — man denke nur an Süßkind von Trimberg —: so wird doch durch das hier mitgetheilte Stück diese Thatsache auch für solche jüdische Kreise festgestellt, welche, wie es von dem Schreiber desselben vermuthet werden darf, sich mehr int Bet-Hamidrasch, als in der Oeffentlichkeit bewegten. Die beigegebenen spärlichen Erläuterungen habe ich größtentheils den freundlichen Weisungen des genannten Herrn