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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1875-01-01 · Heft 6 · p. Seite 255

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
24 (1875)
Issue
Heft 6
Article
Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
Date
1875-01-01
Page
Seite 255 (sequence 15)
Language
German
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auf das Kulturleben der Völker. 255 Ursprünglichkeit der jüdischen Lehre geht dabei nicht nur aus ihrem höhern Alter hervor, sondern auch ans dem Umstande, daß die Griechen zu ihrer Belehnung die Culturländer des Orients bereisten, und die Träger der neuen Lehren irr Grie, chenland als Religionsspötter und Sittenverderber verfolgt, verurtheilt, expatriirt und hürgerichtet wurden. Wir erwähnen beispielsweise Sokrates und Anaxagoras. Letzterer wurde sogar wegen seiner jüdisch-persischen Lehren und Neigungen auch in politischer Hinsicht der Konspiration mit dem Auslande (Persien) verdächtigt und deshalb, nach der ersten Verlheidigung und Rettuug durch Perikies, zum zweiten Male unter Anklage gestellt. Tie griechische Religion war auch zu sehr Naturreligion, als daß sie zu dem Idealismus des Plato hätte Veranlassung geben können. Wie sehr aber die heimische Religion das philosophische Denken beeinflußt hat, erkennen,!vir trotz der Platonischen Anregung zum Idealismus an der sofortigen Hinneigung zum Realismus (Aristoteles), der sogar wieder in schwächer!! (Stoa) und stärker» (Epikur) Materialismus ausartete. Der Gott der griechischen Philosophen ist nicht mehr der heidnische Naturgolt, das Ding der sichtbare», stofflichen Welt, sondern ein extramuadaner Schöpfer. Plato nimmt sogar ein absolutes Wesen (Sein) an. Die Unmittelbarkeit dieses geistigen Gottes der stofflichen Welt gegenüber zu erklären, ist bis auf den heutigen Tag allem menschlichen Denke» unerreichbar geblieben; auch die griechische Philosophie scheiterte daran. Der die Materie ordnende Göttliche Verstand ist eine von Gott ausgegangene, ihn! untergeordnete Kraft. Ist diese Anschauung auch nicht ursprünglich jüdisch, so reflectirt sie doch, vom Hellenismus beeinflußt, im spätern Judenthum wieder, wo man ebenfalls Gottes Geistigkeit für zu erhaben dachte, un! mit der niedrigen weltlichen Materie in unmittelbare Berührung gebracht werden zu dürfen. Daher tarnte die ״Weisheit" (Chochmah), ״Gegenwart" (Schechinah), ״Herrlichkeit" (Kawod, Jekar,) das

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