Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829458-2829465-2868673--16183-2868701- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
284 Der Einfluß jüdischer und!griechischer Bildung natischer, je größer seine politische Macht war, und je weiter sich seine politische Herrschaft ausdehnte. Wie ehemals die Kuthäer, die späteren Samaritaner, von einem Nationalgotte Jsrael's fabeiten, weil sie ihre beschränkten heidnischen Gottesideen mit nach Judäa brachten: so sprechen vielfach auch heute noch die Christen von Jehova als einen! Natioualgotte der Juden. Man hatte, wie überhaupt den geistigen Inhalt des Judenthums, so auch die Idee des Universalismus seines Gottes und seiner Religion ihm entnommen, man hatte, um sich den Vorzug des Besitzes und den Reiz der Neuheit zu bewahren, die Mutterreligion des Judenthunls aus ihrem rechtmäßigen Eigenthume verdrängt und in ihrer Geltung zu den Religionen des irrigen und verkommenen Heidenthums hinabgedrückt. Weil die Herrschende, mußte und sollte die christliche Religion auch überall die vollkommenere sein. Je mehr inan innerlich das Judenthum mit seiner Opposition gegen das Christenthum im Rechte wußte, je berechtigter seine Ansprüche waren, und je weniger die Unterdrückung und Ausrottung desselben trotz aller Gewaltmaßregeln gelang: desto mehr wuchsen Haß und Erbitterung, desto heftiger wurde der Kampf mit seinen Verfolgungs- und Vernichtungsmaßregeln '). Der Kampf ist nach und nach weniger gewaltthätig geworden, aber ruht nicht; die Gegensätze bestehen fort. Dennoch besteht das Judenthum, und seine Anerkennung wächst; unter den Bekennen! der verschiedenen Religionen nimmt die Annäherung zu, und selbst die Anfänge der Ausgleichung zwischen den Religionen werden, wenn auch erst noch in weiter Ferne, sichtbar. Wir können das Verhältniß der griechischen Philosophie zur jüdischen Religionslehre hier nicht in systematischem Zusammenhange darstellen; die Anführung einzelner Philosopheme wird aber schon die gegenseitige Beeinflussung erkennen lassen. Die ') Diesen Jdeengang hat bereits M a i m 11»i in seinem Sendschreiben nach Jemen entwickelt. R.