Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829458-2829465-2868673--16182-2868700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
auf das Kulturleben der Völker. 253 übergegangen, von denen jenes die Bildung für ben Occident, dieses für den Orient vermittelt. Beide Religionen waren und sind daher nöthig, theils weil das Judenthum mit seinem nackten Lehrinhalte zu abstract ist, für die an sinnliche Vorstellungen und ׳phantasiereiche Imaginationen gewöhnten Völker des Westens und des Ostens, theils weil sein Lehrinhalt nicht in theoretischen Lehrsätzen, sondern in, den nationalen und örtlichen Verhältnissen Israels angepaßten, praktischen Gesetzen offenbart worden war. Die Lehren, welche diesen Gesetzen zu Grunde liegen, gleichen den allgemeinen Ideen, die Gesetze sind deren praktische Anwendung für die gegebenen Verhältnisse. Das Judenthum ist die wahre Religion der Hunranität, und was hiervon die neuere Zeit zu ihrer Aufrichtung dem Hellenen- und Christenthum entnommen zu haben glaubt, ist irr Wirklichkeit dein Judenthum entflossen. Aber die Uukenntniß hierüber, wie die allgemeine Ignoranz über Juden und Judenthunr, welche so lange die Geister beherrscht hat und theilweise noch beherrscht, ist die Schuld der vieljährigen Verfolgung und andauernden Verkennung, welche Juden und Judenthum betroffen haben. Es kam dazu, daß alle anderen Religionen, we- Niger geistig-universel, sich exclusiv und intolerant, fanatisch und gewaltthätig gegen dasselbe verhielten. Wie die Götter Nativnalgötter des besondern Landes und Volkes waren, so gehörte auch die Religion dein besonderen Lande und Volke an. Man duldete daher im eignen Lande keine fremde Religionen, und wenrl andere Völker bezwungen waren, so waren auch ihre Götter besiegt. Mit dein neuen Volke zogen auch die neuen Götter und Religionen in die fremden Länder. So begreifen wir die irreligiösen Gewaltlhätigkeiten der griechisch-seleucidischen Herrschaft in Judäa. Wir begreifen so auch alle Gewaltthätigkeiten, welche in nachfolgender Zeit vom Christenthum ausgingen und verübt wurden. Dieses hatte dieselbe heidnisch-exclusive Anschanung und Richtung, wie das Hellenenthum, und war um so fa-