Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
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252 Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung tenbe Hand auch hier im Spiele. Das Leben der Menschen wie die Geschichte der Völker führt oft über unbegreifliche Wege. Die Gründe für Gottes Thun sind dem Menschen nie von vornherein ganz durchsichtig; man erkennt sie erst nach vollendeter Entwickelung. Nur der Geist ist universell nicht an Raum und Zeit, nicht an Ort und Personen gebunden. Das Judenthum als eine Religion des Geistes ist darum auch uuiversel, gehört ihrer Bestimmung nach allen Menschen und Völkern an, ist weder exclusiv und intolerant, noch fanatisch und gewaltthätig. Ihre Ausbreitung beruht auf freier Annahme und Ueberzeugung; dieser muß Erkenntnis! voransgehen. Um Weltreligion zu werden, beansprucht daher der Prophet mit Recht für das Judenthum eine Fülle und Ausbreitung der Erkenntniß unter den Menschen, so wie Wasser den Meeresboden bedeckt. Diese Ent- Wickelung kann nur allmälig vor sich gehen; gewaltsame Propaganda macht das Judenthum nidftt. *) Völker entwickeln sich langsam; Jahrtausende sind für sie wie Ein Tag. Die Schrift spricht dieses Wort für Gott aus; geistige Erkenntniß wie religiöse Entwickelung sind göttlicher Natur, — für sie gilt dasselbe. Erkenntniß ist daher stets nur Eigenthum Weniger gewesen, einzelner Menschen und einzelner Völker, die dann bildend auf Andere gewirkt haben, und bahnbrechend für sie geworden sind. Dies kann nian vom Judenthum sagen. Sein geistiger Inhalt ist als ein allgemein humaner in die griechische Philosophie, wie die nachgeborenen Religionen des Christenthums und Islams 0 Ein Mal war der Fehler gewaltsamer Bekehrung vorgekommen: Johannes Hyrkan zwang die Jdumäer, das Judenthnm anzunehmen. Js. rael hatte die Folgen dieser Thal schwer zu büßen. Herodes, der Jdnmäer, nahm Rache an dem Hause des Hyrkan und schwang sich auf den jüdischen Thron. Dies führte zum nationalen Untergang des israelitischen Volks. Seit dem wird auch der Schein einer gewaltsamen Bekehrung in Israel ״wie die Pest" gemieden und der selbst freiwillige Uebertritt ohne Ueberzeugung perhorrescirt.