Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
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auf bas Culturleben der Völker. 251 mächtiger Schöpfer, liebevoller Vater und gerechter Richter ist, mit den Lehren von der Einheit des Menschengeschlechts und der Brüderlichkeit aller Menschen, init beit Vorschriften heiliger Sittlichkeit, strenger Gerechtigkeit und allgemeiner Nächstenliebe, mit der Anerkennung der Freiheit und gleichen Rechts für alle Menscheu, mit der Erstrebung des Friedens und der Aufhebung des Kriegs unter allen Völkern: so begreifen wir, daß das Judenthum mit diesen Ideen sich die Welt erobern ntußte und in Ewigkeit seine Bedeutung nicht verlieren könne, weil dies Lehren voll allgemeiner und ewiger Wahrheit und Aufgaben der ganzen Menschheit für alle Zukunft sind. Um so mehr drängt sich die Frage auf, warum das Indenthum von allen Seiten und zu allen Zeiten nur Verkennung, Haß und Verfolgung erfahren hat und vielfach heute noch erfährt. Zurücksetzung und Ausschließung, denen Israel imnter noch begegnet, lassen sich nicht immer auf die blinde Leidenschaft und rohe Gewalt der ungebildeten Menge znrücksühren. Vorurtheil und Gewohnheit, von Jahrhunderten und.Jahrtausenden her eingewurzelt und groß gezogen, lassen sich zwar überall schwer bekämpfen; aber wir stoßen selbst in den gebildetsten Kreisen darauf, und Gelehrte, denen Kenntuiß der Religion und Geschichte nicht abzusprechen ist, hegen ihren Haß und ihre Vorurtheile gegen Juden und Judenthum fort, und Regierungen sinnen mit Ruhe und Vorbedacht auf Gesetze der Ausschließung und Zurücksetzung, ja Verfolgung und Vertreibung. Wenn trotzdem Juden und Judeuthmu noch fortbestehen und mit ungefchwächter Kraft zu stets neuer Blüthe und höherer, vermehrter Anerkennung sich erheben: so ist dies ebenso wohl ein Räthsel der Geschichte, wie die unbegründete und ungerechtfertigte Verfolgung. Zur Erklärung läßt sich nur Einiges anführen, vollständig läßt sich das Räthsel nicht lösen. Gottes Vorsehung, welche die Geschicke der Einzelnen wie ganzer Völker leitet, hat ihre lei-