Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
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aus das Culturleben der Völker. 249 Ganz anders Hellas. Hier war die Bildung in den Händen weniger Philosophen, die Religion in den Händen bevorrechteter, aber ungebildeter Priester; das Volk war darum abergläubisch nud geknechtet, — so erzogen und so erhalten. Die Philosophie war ihren Anfängen nach jüdisch, Priestern und Volk fremd, unverständlich und feindlich; später, zum bessern Verständniß und zur schnellem Aneignung von dem heimischen Heidenthum beeinflußt und durchsetzt, entartete sie. Was dieser Philosophie ihre geistige Bedeutung und ihren bildenden Einfluß bewahrt hat, das, worin Hellas bei der Nachwelt noch fortlebt, ist in formaler Beziehung die Art philosophischer Forschung und die Logik menschlichen Denkens, womit Hellas Lehrer der Welt geblieben ist, in realer Beziehung aber ist es nur derjenige Inhalt der griechischen Philosophie, welche diese dem Judenthum entnommen hat, und worin sie mit demselben übereinstimmt. Von der Religion des alten Hellas aber ist Nichts übrig geblieben, als dis Reste seiner Götterbilder und die Ruinen seiner Göttertempel. Auch hier ist es wiederum nur die Form, die Plastik und Architektur, worin Hellas Lehrer der Welt und Meister der Schulen geblieben ist. Wir lernen heute noch von Hellas die Regeln der Schönheit, wie von Juda die Grundsätze der Wahrheit, der Sittlichkeit, der Gerechtigkeit und der Menschenliebe. Inhaltlich widersprach diesem allem das politische wie religiöse Leben Griechenlands. Als die Grundsätze Juda's anstngen, die Welt zu erobern, mußten die Götter und mit ihm der Staat Griechenlands untergehen, um nie wieder zu erstehem Seine geistige Bedeutung hat nur ein formales, kein reales Fundament; auf einen solchen konnte es sich nicht wieder erheben, keinen Neubau gründen. Seine Religion ging so sehr in die Brüche, daß nicht einmal seine schönen Götterbilder und Tempel gerettet werden konnten; sie existiren nur in Bruchstücken und Ruinen. Ihre geistige Bedeutung' liegt nur in der Pflege der Kunst, welche sie förderten. Nur durch diese auch lebt Hellas