Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
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248 Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung sondem das ganze Volk an dem geistigen Leben Theil nahmen. Nicht einzelne Priester waren Träger der religiösen Lehre und des geistig-sittlichen Lebens, sondern das ganze Volk war der ursprünglichen Bestimmung nach (Exod. 19, 6) ein Priesterreich, ein heiliges, d. h. religiös gelehrtes, geistig strebendes und sittlich lebendes Volk. In diesen Elementen fand Israel nach jeder Niederlage die Kraft zur Auferstehung wieder. Darum bedurfte das Volk nach dem babylonischen Exil der Propheten nicht mehr. Nachdem diese, um modern zu reden, es in den Sattel gehoben hatten, konnte es von selbst reiten. Das ganze Volk hatte sich der religiösen Richtung, dem religiösen Streben ergeben; die Periode der Sophrim und der Gelehrtenschulen batte angefaugen. Die Gelehrten des Volks rvurien seine Leiter. Mit diesen Gelehrten-Schulen, die auch gleiüzeitig Volks- Schulen waren, siedelte Israel von Babel nach Jerusalem über, und als Roin unter Hadrian diese in Palästina gefährdete, ging man mit ihnen nach Babylon zurück, wo sie auf's steue blühten. Von da an hat Israel seine Thora mit ihrer Prophetischen und rabbinischen Auslegung überall mit sich umher getragen, überall, nicht seine nationale Selbstständigkeit erneuert, soniern religiöse Genreinschaften gegründet mit ausschließlich geistig« Bedeutung und sittlichen Tendenzen, Synagogen gebaut, Schuen unterhalten und seine Literatur erweitert, nirgends aber und niemals wieder besonderen politischen Bestrebungen gehuldgt, sondern in diesen sich überall den Völkern angeschlossen, unter denen es lebt. Dadurch hat Israel seine Existenz behauptet, vie es sie in diesen Grundsätzen und Bestrebungen von Anfang an gefunden und nur dadurch sie für einen Augenblick verlor« hat, daß es ihnen untreu geworden war. Israel hat seine Zander-Existenz nur durch seine geistig-religiöse Bedeutung. In neser wird es seine Existenz stets bewahren und;an Einfluß inner mehr gewinnen.