Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829458-2829465-2868673--16176-2868694- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
auf das Culturleben der Völker. 247 den; dieses mußte in gleicher Weise seine nationale Selbstständigkeit verlieren, wie andere Völker sie verloren haben. Dazu kam noch, 'daß Israel gleich anderen Völkern, durch steigende Macht, wie das verlockende Beispiel verleitet, sich dem ruinirenden Luxus, der zerstörenden Ueppigkeit und der aufreibenden Sinnlichkeit hingab. Wie einzelne Menschen, so haben auch ganze Völker dabei stets ihr Ende und ihren Untergang gefunden. Denn das, was bei einzelnen Menschen das belebende Element ist, der Geist, ist es auch bei den Völkern. Da aber, wo nur der Leib, nicht ab«r der Geist Pflege findet, da, wo nur die irdischen Interessen gefördert, die geistigen aber vernachlässigt werden: da fehlt das Element, wodurch Menschen und Völker leben, da müssen sie urter- und verloren gehen. Wenn Israel dennoch seinen Bestand behauptet hat, so liegt dies darin, daß das, worin Israel vor Anfang an und alle Zeiten hindurch, selbst in den verderblihsten, seine Existenz und sein Leben gefunden hat, immer geistige Interessen waren. Die Religion mit wahrer Gotteserkenntniß und reiner Sittlichkeit war der Gründungszweck und das Leb-nselement des israelitischen Volks; die Nebung und Verbreitmg der Lehren von allseitiger Gerechtigkeit und allgemeiner Menschenliebe charakterisirten Jsrael's nationale Souderheit. Selbt den verderbtesten Königen und Priestern gegenüber bewahrtel Jsrael's Volksmänner, Propheten genannt, immer noch denMuth und die Kraft, die Gottesstimme im Menscheu laut weven zu lassen. Da konnte das Volk seines geistigen, belebende Elements nie ganz baar werden, da konnte es sein geistiges streben nie ganz aufgeben, seine geistige Bedentung nie ganz vergessen und verlieren. Daß Israel stets solche Männer erzeug und nicht blos bis zu seinem nationalen Untergange, sondernbis zu seiner nationalen Wiedererhebung aufzuweisen hat, ist in Beweis, daß mir Einzelne, nicht das ganze Volk den Weg es Verderbens eingeschlagen hatten. Was Jsrael gerettet ha! war daher der Umstand, daß nicht Einzelne,