Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
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246 Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung Judenthum um so gefährlicher werden, als unter den Seleuciden derselbe politisch und social Judäa beherrschte, und griechische Beamte nicht blos ein böses Beispiel gaben, sondern auch Gewaltthat übten, um die Juden zu den neuen Anschauungen und der neuen Lebensweise zu belehren. Je mehr Vortheile eine solche Aenderung für die Lebensstellung bot, und je mehr sie der Sinnlichkeit und Leidenschaft schmeichelte: desto mehr häufte sich der Abfall unter den Juden, desto mehr wuchs die Gefahr für das Judenthum. Da war kein andrer Ausweg, als um des Judenthums willen den Hellenismus zu bekämpfen. Es geschah dies auf literarischem Wege durch die erwähnten biblischeu und apokryphischen Schriften, in politischer Beziehung durch die begeisterungsvollen Religionskriege der Makkabäer. Deutlicher wird uns die innere Gegensätzlichkeit zwischen Judaismus und Hellenisinus noch werden durch die Beantwortung der andern Frage über die Nothwendigkeit des Untergangs, den Hellas gefunden hat und finden mußte trotz der geistigen Bedeutung, welche es nicht blos für sich, sondern die ganze Culturwelt hatte und bis auf den heutigen Tag bewahrt hat, während Juden und Judenthum, obwohl die äußeren Umstände viel we- Niger günstig für sie lagen, noch immer fortbestehen, ja zu stets höherm Ansehen sich erheben. In nationaler Hinsicht hat zwar auch Judäa seinen Untergang gefunden; aber seine Nationalitat, seine politische Stellung und Machtentwickelung war das irdische Element an ihm, seine weltliche Existenz. Diese konnte und mußte untergehen, wie alles Irdische, Weltliche. Israel, welches, wie andere Völker, Kriege führte, Eroberungen machte, Völker bezwang und ihr Ländergebiet annectirte, mit starken Mächten Politische Allianzen schloß und mit schwachen brach, mit starken Völkern Freundschaft unterhielt, und schwache mrterjochte. Dieses Israel konnte und mußte auch nach dem gewöhnlichen Gange der Weltgeschichte, insonders aber in der Vorzeit, von anderen, mächtigeren Völkern bekriegt und unterjocht wer-