Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
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ans das Culturleben der Völker. 248 Die griechische Philosophie hat ihren Ursprung zwar auf judaischem Boden, aber ist als solche doch in hellenischer Heimath ausgebildet worden und demnach in vielfacher Beziehung dem jüdischen Geiste fremd. Sie ist eine judäische Pflanze, auf hellenischen Boden übertragen, und hier von heidnischen Elementen beeinflußt und genährt worden. Zu der heidnischen Lehre des Heimathlandes ursprünglich im Gegensätze stehend, ja mit derselben in Conflikt gerathen, suchte sie sich mit derselben anseinanderzusetzen, vergeistigte und allegorisirte die sinnlichen Lehren und Gebräuche der griechischen Mythologie, aber nahm auch Vieles von den materiellen Principien und Anschauungen der heidnischen Götterlehrc in sich auf. So spaltete sich von vornherein die griechische Philosophie in eine ideale Richtung (Plato) und in eine reale (Aristoteles). Durch solche Zwiespältigkeit und Beeinflussung konnte es denn auch nicht fehlen, daß die rein materielle Richtung ihre Vertreter fand, welche den sinnlichen Genuß als die höchste Lust, als den Lebenszweck des Menscheu erklärte. Dies geschah in der Schule der Epiknräer, welche den schroffsten Gegensatz zum Judenthum bildete und darum auch am meisten von ihm perhorrescirt und bekämpft wurde. Aber selbst auch bei den Männern der anderen Schulen stoßen wir auf dieselbe cpiknräische Genußsucht im praktischen Leben. Diese war zu sehr mit den Anschauungen und Sitten des griechischen Heidenthums verwachsen, und wenn die geistigen Ansichten sich auch durch den Einfluß der Philosophie geändert haben mochterr, so halten die Gewohnheiten des Lebens mit der neuen Wissenschaft nicht immer und sofort gleichen Schritt. Gar Mancher schreitet in seinem Wissen geistigfort, während er im sittlichen Leben stehen bleibt oder gar zurückgeht. Das Judenthum hatte also ganz Recht, wenn es vom religiösen und sittlichen Standpunkte die griechische Weisheit überhaupt verdächtigte. Es hatte sowohl Grund wie Recht zu erklären: ״Der Anfang aller Weisheit ist Gottesfurcht." Der Hellenismus mußte dem Ju-