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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1875-01-01 · Heft 6 · p. Seite 244

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
24 (1875)
Issue
Heft 6
Article
Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
Date
1875-01-01
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung tes- und Sittentehren verbreitete nur, auf fremden Boden verpflanzt, ebenfalls eine neue Frucht reiste, welche das Mutterkorn opferte, aber doch dessen Eigenthümlichkeiten in sich aufnahm und seinen Ursprung nicht verleugnet«. Mit fremden Völkern in Berührung gebracht, bequemte es sich den Anschauungen und Sitten der heidnischen Religionen und wurde hier ebenso zur neuen, dem Judenthum nicht mehr adäquaten, oft sogar oppositionellen Lehre, wie die griechische Philosophie. Wir begreifen, daß das Judenthum Beide als entartete Kinder von sich wies, um sich selbst in seiner absoluten Wahrheit und Neiirheit zu erhalten. Wir begreifen aber auch, daß, wenn es auf eine Ver- Mischung nicht eingehen konnte, ohne sich selbst aufzugeben, eine Berührung mit Beiden doch nicht vermied, und auch den civilisatorischen Einfluß, welchen sie geübt haben und noch üben, um so weniger verleugnete, als es sein eigener ist. Hiernach ist die Frage, warum der Gegensatz des Judenthums gegen den Hellenismus, wenn dieser jüdische Eleniente in sich barg und sein Einfluß ein bildender war, ja geblieben ist, ein so schroffer wurde und in einen förmlichen Kampf auf Tod und Leben ausartete, um so berechtigter. Es knüpfen sich daran noch zwei andere Fragen, welche der Beantwortung harren : Erstens warum das griechische Volk trotz seiner belebenden Bildungselemente untergehen mußte, wenn sein Geist iit der Cultur der Völker noch fortlebt und stets noch belebend fortwirkt. Diese Frage drängt sich um so mehr auf, ,venu wir das Judenthum nicht blos, sondern auch seine Träger noch fortwährend nicht blos unter den Lebenden bemerken, sondern an Macht und Einfluß immerfort gewinnen sehen. Eine zweite Frage ist: Warum wir das Judenthum trotz seines bildenden Einflusses auf die Cultur der Menschheit, deren ursprünglicher Träger es fast allein ist, so lange verkannt, ja verfolgt sehen, und warum wir es sogar von dieser Verkennung und Verfolgung noch nicht ganz befreit wissen.

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