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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1875-01-01 · Heft 6 · p. Seite 243

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
24 (1875)
Issue
Heft 6
Article
Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
Date
1875-01-01
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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auf das Culturleben der Völker. 243 Trotz solcher Gegensätzlichkeit von griechischer Philosophie und jüdischer Gotteslehre ist es dennoch deutlich und Nachweisbar, daß Erstere die Letzte zur Quelle hat. Sie ging nur ihre eigenen Wege, weil sie von des Menschen und nicht von Gottes Geist geleitet und beherrscht wurde. Inhalt wie Geschichte der griechischen Philosophie lassen uns erkennen, daß sie auf dem Boden des Heimathlandes gar nicht keimen konnte. Die Lehreu der Philosophie widersprechen den Anschauungen der Griechen, und ihre Träger wurden verfolgt und zum Tode oder zur Auswanderung verurtheilt. Der Gegensatz war ein vollständiger in Bezug auf Religion und Politik, in Bezug auf Gott und Welt, Gotteserkeuntniß ׳und Ethik. Trotz der ursprünglichen Uebereiustimmung der griechischen Philosophie mit dem Judenthum, trat dieselbe doch durch ihre selbstständige Entwickelung in offenen Gegensatz zu diesem. Denn die Uebergabe war keine religiöse, auf göttlicher Offenbarung und traditioneller Ueberlieferung beruhend; die Erkenntniß war vielmehr eine freie und darum auch die Forschung eine selbstständige. ״Der Anfang aller ״Weisheit" ist Gottesfurcht"; dieser, im biblischen wie talmudischeu Schriftthum häufig wiederkehreude, Ausspruch birgt ebensowohl die Ansicht, daß Menschenweisheit für sich allein irre geht, wie daß ihre wahren Resultate in der Gotteslehre enthalten sind. Die jüdische Lehre war das Saatkorn, ivelches in griechischeu Boden gestreut, eine neue Frucht erzeugte, wobei das alte Mutterkorn zwar, wie gewöhnlich, unterging, aber der neuen Frucht doch seine unverkennbare Aehnlichkeit aufdrückte. Das war die griechische Philosophie oder die ״Weisheit der Griechen." Sie war eigentlich das bildende Element der griechischen Cultur; es war also auch hier ivieder der Einfluß des Judenthums, nur mit veränderter Gestalt, in der modernen Bildung. Wir gewahren eine gleiche Erscheinung im Christeuthum, ivelches auch in Wirklichkeit, als Tochterreligiou des Judenthums, jüdische Got°

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