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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1875-01-01 · Heft 6 · p. Seite 242

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
24 (1875)
Issue
Heft 6
Article
Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
Date
1875-01-01
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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242 Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung zu philosophischen Streitigkeiten, sophistischen Zweifeln, dogmatischen Sektirungen und religiösen Spaltungen Veranlassung gegeben haben. Der hellenistische Einfluß hat davon einzelne Beweise für das Jndenthum gegeben; stärker liegen die Beweise dafür in der Geschichte und Entwickelung des christlichen Kirchenthums vor. Im Ganzen ist das Jndenthum Dank seinem urshrünglichen Grundprincipe einig geblieben. Selbst Pharisäer und Saducäer waren keine Sekten nach dogmatischen Unterscheidüngen, sondern gingen ans der geschichtlichen Entwickelung hervor, durch die Sopherim und deren Bestrebungen auf NeugestaltungdesJudenthums veranlaßt, welche die im Exils entstandenen Zustände, die veränderte religiöse und politische Lage nöthig machten. Diese Bestrebungen waren besonders auf allgemeine Volksbildung im Gegensatz zu der früher» Kastenbildung, namentlich des privilegirten Priesterstandes, gerichtet. Volksbildung ist überhaupt das Mittel zur Wiedererhebung eines gesunkenen Volks, zu seiner Um- und Neubildung von jeher gewesen und auch heute noch. Trotz dieser Ausschließung transcendentaler Weisheit ist aber wissenschaftliche Forschung und Bestrebung nie vom Jndenthum ausgeschlossen gewesen;; dagegen hat Abweichung und Verschiedenheit der Ansichten nie zu Verfolgungen und fanatischen Verketzerungen Veranlassung gegeben. Jesu Verurtheilung und Hinrichtung waren daher vom jüdischen Standpunkte ganz unmöglich und fallen lediglich den damals Judäa beherrschenden Römern zur Last. Die Verketzerung, welche in späterer Zeit Maimonides erfuhr, war wiederum fremder, kirchlicher Einfluß zur Unterdrückung jeder freisinnigen Richtung, woher sie auch komme. Denn die Juden besonders waren, zumal in der damaligen Zeit, die Träger der freisinnigen Richtung, welche von dort auch in das Christenthum eindrang und die Reformation vorbereitete. Sonst gingen unter den Juden abweichende religiöse Anschauungen, als Resultate freier Forschung, ungestört neben einander her.

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