Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829458-2829464-2868611--16127-2868635- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
auf das Culturlebm der Völker. 205 auf philosophischem Wege versucht, aber nicht gefunden. Als Antwort erfahren wir auch hier: Der sterbliche Mensch begreift die Wege Gottes nicht, seine Weisheit — ist Gottesfurcht und Tugend. Er hat nicht zu grübeln und darf nicht zweifeln, sondern soll die göttliche Weisheit und Liebe demuthsvoll anerkennen und ihr gläubig vertrauen. Das Buch Koheleth (Prediger) läßt uns nicht blos den Einfluß griechischer Weisheit, sondern die Philosophenschule erkennen, deren Einfluß es entgegenstrebt. Dies ist die Schule des Epikurus. Wie stark der Einfluß dieser Schule, und wie groß ihr Anhang war, geht daraus hervor, daß das Wort, ״Epikurus" im Schriftthum wie Leben der Juden die Bedeutung eines Abtrünnigen und Gottesleugners erhalten und sich bewahrt hat, gleich wie Aristoteles die eines Weltweisen, dessen Richtung und Lebensweise nicht in Widerspruch steht mit jüdischer Lehre und jüdischem Gesetze. *) Die in Koheleth bekämpften Grundsätze sind ganz epikuräisch: Philosophische Erkenntniß, materieller Lebensgenuß, Leugnung einer göttlichen Wallung und der menschlichen Unsterblichkeit. Das Wesen des Menschen ist ') Auch die Lehre eines andern griechischen Weisen Bosthus drang in Judäa ein, dessen Schule und Anhänger Bne Bosthus l Kinder des B.) genannt wurden. Es gab zwei griechische Philosophen dieses Namens im vorchristlichen Alterthum. Der eine war Stoiker mit starker Neigung zum Aristotelismus; er war Schüler des Chrysippus <280 ante). Er nahm nur die Vernunft als Kriterium der Erkenntniß an, verwarf aber den materiellen Pantheismus seiner Schule, sondern erkannte Gott als geistiges Wesen, das von der materiellen Welt geschieden sei; er lehrte aber doch die Ewigkeit der materiellen Welt und faßte auch die Seele nicht als rein geistiges Wesen. P hilo erwähnt seiner in der Schrift äs Ineorruxt. inunäi. Dieser kommt wohl für das Judenthnm in Betracht. Ein andrer B. aus Sidon lebte im ersten Jahrhundert ante, versaßt« einen Commentar zu den Kategorien des Aristoteles, trat aber auch als selbstständiger Lehrer der Philosophie auf und vertrat als solcher nicht den reinen Aristotelismus, sondern vermischte sein System mit dem Stoicismus. Die Stellung des B. im Judenthum bedarf der weitern Durchforschung, wozu aber hier nicht der Ort ist.