Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 12)
- Language
- German
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204 Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung wie es ist (Exod. 3, 14). Demgemäß ist die Frage über die Wallung Gottes (Exod. 33, 18 ff.) auch nur zum Scheine aufgeworfen, uni die Antwort zu ertheilen, daß diese dem Wissen des Menschen verschlossen und seiner Erkenutniß unzugänglich sei. Wir sterbliche Menschen können nie vorher wissen, was Gott thut, sondern nur hinterher an den Thaten erkennen, daß sie Gott gethan. ״Mein Angesicht kannst du nicht sehen, sondern nur meinen Rücken", heißt der bedeutungsvolle Ausspruch der Schrift hierüber (v. 33). Der Umstand, daß Moses schon und zuerst diese Frage aufgeworfen, hat zu der Meinung Veranlassung gegeben, daß ihn das dieselbe Frage behandelnde Buch Hiob zum Verfasser habe. Diese Meinung ist irrig. Die in Rede stehende Frage hat sich in gleicher Weise auch der durch Mische Inspiration angehauchten Forschung der griechischen Philosophen aufgedrängt. Der auf sich selbst angewiesene und nicht an der Hand religiöser Lehre geleitete Menschengeist mußte diese Frage natürlich anders beantworten, als es Moses gethan. Der hellenistische Geist erkannte die Schwäche und Beschränktheit des menschlichen Verstandes nicht an und rieth weder demüthige Unterwerfung unter, noch hingebendes Vertrauen auf die Gnade und Liebe Gottes an. Denn so lehrt die Schrift bei Moses hierüber: ״Der sterbliche Mensch kann mich nicht sehen (meine Waltung nicht begreifen); denn ich begnadige, den ich begnadigen, und erbarme mich, dessen ich mich erbarmen will" (v. 19). Die skeptische oder gar leugnende Philosophie der Griechen mußte demnach in ihrer Rückwirkung von nachtheiligem und zerstörendem Einstusse aus Judäa werden. Diesem will das Buch Hiob entgegen wirken; dafür ist es abgefaßt. Inhalt und Sprache, Einkleidung und Durchführung zeugen für die angegebene Zeit der Abfassung. Die Anlage des Buchs ist eine Kunstform, die Entwickelung der Gedanken logisch gegliedert und die Lösung der Frage über die Waltung Gottes im Geschicke der Menschen