Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 10)
- Language
- German
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202 Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung fentlicht, die sich noch unter unseren biblischen erhalten haben, deren Kanonicität aber wegen ihrer Beziehungen zu der griechischen Weisheit angetastet wurde, oder welche geradezu von der Reihe der biblischen Bücher ausgeschlossen und den apokryphischen Büchern zugewiesen worden sind. Wir begreifen durch diese Situationsschilderung die rabbinischen Discusstonen über die Aufnahme von Koheleth (Prediger) und Hoheslied in den biblischen Kanon. Denn auch bei den! Letztem, welches erotischer Art ist, wird der Einfluß griechischer Weisheit und Bildung nicht zu verkennen sein. Es kehrt aber, ganz den übrigen Büchern und der jüdischen Richtung entsprechend, ebenfalls die ethische Seite des Judenthums hervor. Mit Entschiedenheit wird es nämlich in Hiob und den Sprüchen Salomo's, die aber frei-!ich Salomo nicht angehören, betont, daß die philosophischen Untersuchungen nach Art der griechischen Weisheit uns fern siegen, daß der Mensch weder über Gott, seine Schöpfung und Wallung, noch über den Menschen und sein Jenseits etwas erforschen könne, sondern daß des Menschen Weisheit Gottesfurcht und Tugend seien. Davon ist Hiob, davon sind die Sprüche voll. Koheleth behandelt die Unsterblichkeitslehre und schließt ebenfalls mit ethischen Ermahnungen, in gleicher Weise Gottesfurcht und Tugend den Inbegriff aller Weisheit nennend. Unter den apokryphischen Büchern entspricht das Buch Sirach den Sprüchen und die ״Weisheit Salomo's" den! Bnche Koheleth. Ueberall wird aber das Hauptgewicht auf die Ethik gelegt, auf Gottesfurcht und sittliches Leben. Das Lob der jüdischen Weisheit wird besungen im Gegensatz zur fremden, griechischen; theosophische Weisheit und traufcendetsiale Forschung wird, als, wie es heißt, der menschlichen Kraft zu fern liegend, ausgeschlossen. Eine Warnung, welche mit wörtlicher Anführung aus Ben Lira in den Talmud übergegangen ist, wo gleichzeitig durch Hinweisung auf Beispiele von berühmten Männern die bösen Folgen hervorgehoben werden,