Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 8)
- Language
- German
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200 Der Einfluß Mischer und griechischer Bildung zu erkennen; der jüdische Ursprung der neuen Lehre ist schon hiernach nicht anzuzweifeln. Die heimische Weisheit der Griechen gestaltete sich aber auch noch nach anderer Seite hin in eigenthümlicher Weise. Die Griechen waren von jeher zu anderen Völkern gegangen, um Weisheit zu suchen, oder diese war von anderen Völkern ihnen zugetragen worden. Ihre Künste und Erfindungen waren gesucht worden, oder freiwillig zu ihnen gedrungen. Mit Pallas-Athene verbinden sich daher die Sagen von den Göttinnen verschiedener Länder, besonders der Aegypter und Phönizier. Während aber hier in der Vorzeit die Ursitze der Weisheit waren für die Künste und Erfindungen des Friedens, ward Pallas-Athene Hauptsächlich kriegerisch umgestaltet. Sie unterschied sich vom Mars, dem eigentlichen Kriegsgotte, nur dadurch, daß dieser mit Gewalt, jene mit List und Verstellung vorging. Sie sprang daher bewaffnet aus dem Haupte des Zeus und erscheint als Kriegsgöttin nie ohne vollständige Bewaffnung mit Helm. Harnisch, Speer und Schild, aber auch als Friedensgöttin, mit dem Attribitte der Eule oder des Hahns, den Symbolen der Wachsamkeit und der Forschung, nicht ohne Helm. Wie Zerstörerin, ist sie zwar auch Beschützerin der Städte, doch vor Allem der kriegerischen Burgen. Charakteristisch unter ihren Waffen ist auch die Aegide mit dem, die Feinde erschreckenden unb verwirrenden, Medusenhaupte. So entspricht es den kriegerischen Anschauungen und Gewohnhetten der Griechen und alten Völker überhaupt. Bezeichnend genug erkennt darum Paris der Kriegsweisheit — Pallas- Athene — den Preis zu, nicht einmal Venus, der Göttin des Schönen, obwohl die Griechen doch auch Pfleger der Kunst und des Schönen waren. Das Hauptepos der Griechen, die Jliade, besingt den Krieg und die Rache, gleich dem Hauptepos der Deutschen : die Nibelungen; in beiden spielen auch geweihte und an Einer Stelle verwundbare Helden, Achilles und Sieg-