Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
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auf das Culturleben der Völker. 199 hung und Pflege ist ursprünglich rein religiöser Natur im Heiden- und Christenthum, ja das Christenthum entbehrt hierbei nicht einer heidnischen Beimischung. Als man darüber zum Bewußtsein kam, ließ die Pflege der Kunst sogar nach, bis die neue Zeit sich des selbstständigen Werths derselben bewußt wurde. Die philosophischen Schulen Griechenlands dagegen blieben tm Heimatylaude ohne bildenden und versittlichenden Einfluß. Ihre Grundlage wie ihr treibendes Ferment ist jüdisch-religiöser Natur und ist als solches zwar beu Völkern fremdartig und autipathisch, aber dennoch, gerade wie die jüdische Lehre im Christenthuni, in dieser Umgestaltung und Verkleidung von wesentlichem Einflüsse auf die Cultur der Welt geworden und bis in unsre Zeit geblieben. Die ursprüngliche, heimische Weisheit Griechenlands ist wesentlich andrer Art, als die jüdisch geartete seiner philosophischeu Schulen. Jene erscheint als eine fertig gegebene; ihre Vertreterin, Pallas-Athene (Minerva), springt fertig aus dem Haupte ihres Vaters Zeus hervor und hat weder etwas zu lernen noch zu verbessern. Die jüdische Bildung, auch die religiöse, ist eine fortschreitende, sich entwickelnde, Nur die zehn Worte sind als unabänderliche, ewig sich gleichbleibende, in unwandelbaren Stein geschrieben. Wie die jüdischen Rabbis und Lehrmeister sich dem. fortwährenden Lernen und Forschen Hingaben, sich Talmtde-Chachamim, Schüler der Weisen, nicht vollendete Weise, nennend: so nannten sich die griechischen Weisen in bedeutungsvoller Nachahmung ״Philosophen", Freunde der Weisheit, der man immerfort nachzustreben habe, die man aber niemals ganz und vollständig erlange. Bezeichnend ist hierfür auch das soccatische Wort: ״die höchste Weisheit sei die Erkenntniß, daß man Nichts wisse." Der Gegensatz und der Zerfall mit der Hein lisch en Lehre und Anschauung gibt sich hier deutlich genug