Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
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198 Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung mit Verbannung und Tod bestraft. Die Götter des Volks blieben in menschlicher Weise gedachte Wesen, menschlich gestaltet, menschlich denkend und empfindend, in menschlicher Verblendung, Leidenschaft, Rohheit und Unsittlichkeit handelnd, sogar mit den gewöhnlichsten Bedürfnissen des inenschlichen Leibes 'angethan, essend, trinkend und schlafend wie die Menschen, auch von der Zeit vernichtet, sterbend und in den Orkus fahrend wie diese. Diejenigen Philosophen sogar, welche die Idee eines geistigen Gottes nicht erkannten, sondern Gott und Welt rein materiell und realistisch auffaßten, leugneten die griechische Götterlehre, oder ließen sie nur um des Volks willen, oder zur Vermeidung von Consticten mit Staat und Priesterschaft bestehen. Das eigentliche Griechenthuin war dem philosophischen Denken der idealen wie realen Schule durchaus entgegengesetzt; zum Beweise, daß die Keime philosophischen Denkens selbst nicht auf dem heimischen Boden Griechenlands empfangen und gepflegt worden waren. Sie entstammten vielmehr jüdisch-religiöser Bildung. Aber hier unter fremder So nne wild wuchernd und von keinem Gehege anerkennenswerther religiöser Ueberlieferung zurückgehalten, vielmehr getrieben, dieses niederzutreten und zu überschreiten, artete die philosophische Weisheit Griechenlands in skeptischen Atheismus, materiellen Nihilismus und wilde, unsittliche Lust ans. In gleicher Weise wie gegen den falschen Polytheismus und unsittlichen Götzendienst des alten, mußte sich deshalb auch Iudäa gegen die philosophische Weisheit des neuen Griechenlands abschließen. Die griechische Cultur ist von weit tragendem Einflüsse auf die Welt geworden, sowohl durch die bildenden Künste wie die philosophischen Schulen. Wir verfolgen ihre Einwirkung bis in unsre Zeit. Aber die bildenden Künste, Malerei, Sculptur, Architectur, gehören dem heidnischen Cultus an, sind durch diesen in gleicher Weise nöthig geworden und iu die Höhe gewachseu, wie die mittelalterlichen Künste durch die Kirche. Ihre Entste-