Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Einfluß jüdischer und griechischer Bildung auf das Culturleben der Völker
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
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auf das <Su [turfeben der Völker. 197 gypter, Inder, Assyrer, Perser haben jedenfalls eine bedeutende Cnltur besessen und hinterlassen, aber ihr civilisatorischer Einfluß auf die übrige Welt war kein so directer und andauernder, wie bei den Juden und Griechen. Es läßt sich heute noch auf den mannigfachsten Gebieten der Cultur: der Politik, Religion, Philosophie, Kunst und den verschiedensten Zweigen der Wissenschüft Nachweisen, was von griechischer oder jüdischer Beeinflussung herrührt. Aber obwohl ägyptische, indische, assyrische, phönizische, persische Elemente in das Griechen- und Judenthum eingedrungen sind, so drangen sie doch in solcher Unmittelbarkeit nicht auf die übrige Welt und Gegenwart. Vielmehr bilden Griechen- und Judenthum hier das Medium, welches diese fremden Elemente durchlaufen mußten, um sie der übrigen Welt zu überliefern und zu erhalten. Konnte doch selbst das jüdische Lehrobject, Gotteserkenntniß und Moral in der Form religiöser Offenbarung uitd Ueberlieferung, nicht direct zu den übrigen Völkern gelangen. Dieses bedurfte dafür der griechische» Umbildung in der Form des Christenthums. Juden und Griechen vertreten bei dem Werk der Cultur aber dennoch zwei verschiedene Richtungen; jene fassen den Menscheu von der Innen-, diese von der Außenseite, jene sind Träger der Wahrheit, (Religion), diese Pfleger der Schönheit (Kunst). Die Wahrheit als Erkenntniß ist Gottesweisheit, als Handlung Sittlichkeit, und diese bekundet sich tu Gerechtigkeit und Liebe. Die eigne Weisheit der Griechen geht durchwegs irre und läuft auf falsche Anschauungen von Gott und Welt hinaus. Der Begriff eines geistigen Gottes vermögen sie nicht zu fassen, er bleibt ihnen fremd, als er ihnen aus der Ferne des Orients durch Vermittlung des Judenthums gebracht wird. Die Lehrer, welche mit solchen Ideen auftraten, galten als Abtrünnige von der herkömmlichen Gotteslehre, wie als Verderber des Volks- und Jugendunterrichts, unb wurden als solche von den Vertretern des Staats- und Priesterregiments verfolgt.