Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 4
- Article
- R. Simeon ben Zemach Duran
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 7)
- Language
- German
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166 R> Simeon ben Zemach Duran. theils weil dort, wie aus dein Zusammenhang der Stelle und aus dem Verbaltempus klar hervorgeht, der Prophet sich nicht auf ein in später Zukunft, sondern in seiner Zeit eintretendes Ereigniß bezieht, theils weil der Ausdruck עלמה nicht ausschließlich ״Jungfrau'׳ bedeutet, sondern eine Bezeichnung für das weibliche Geschlecht überhaupt im Gegensatz zmn männlichen ist, was durch Sprüche 30, 10 beiviesen sei. Ebenso wenig lassen sich aus den Evangelien Beweise für die göttliche Natur Christus' entnehmen. Im Matthüusevangelium wird erzählt, daß Jesus, erst nachdem er die Taufe im Jordan erhalten, den Himmel sich öffnen und den göttlichen Geist in Taubengestalt gesehen habe. Christus selbst deutet nirgends seine wunderbare Geburt an, war auch weit davon entfernt, sich eine Übermenschliche Natur beizülegen, nannte sich vielmehr gewöhnlich, nach dem Vorbilde Ezechiels ״Menschensohn." Nicht niinder beruhe die Lehre von der Erbsünde auf ganz schwanker Grundlage. Christus selbst sagt immer, er sei nur zu den Sündern gekommen, nach der Lehre der Erbsünde gebe es überhaupt nur Süuder, da die Sünde seit dem Falle des ersten Menschenpaares dem Menschengeschlecht vererbt wurde. Die Behauptung, die christlicherseits aufgestellt wurde, daß ״ שאולHölle" bedeute und demnach auch der Stamrnvater Jakob nach Gen. 42, 38 die Furcht vor der Höllenstrafe ausgesprochen, widerlegt er durch die Bemerkung, daß unter שאול einfach ״Grab" zu verstehen sei, worauf mehrere Bibelstellen und namentlich Hiob 14, 13 unzweifelhaft Hinweisen. Doch wie verhält es sich mit den religiöseil Urkunden des Christenthums, mit den Evailgelien und den andern neutestamentlichen Schriften selbst? Können sie den Anspruch erhebeil, unter göttlicher Inspiration geschrieben worden zu sein? Unl diese Fragen zu beantworteil, bedient sich Duran eines kritischen Apparates, wodurch nianche Resultate der inodernen Wissenschaftltchen Bibelkritik vorweggenommen sind. Zunächst betont er