Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 4
- Article
- R. Simeon ben Zemach Duran
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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16+ R. Simeon den Zemach Duran. daß die Entwickelung, die das Christenthum genommen hat, keineswegs im Geiste seines Stifters und der ältesten Apostel begründet sei. Die Christen behaupten, daß durch das Erscheinen Jesus' das alte sinaitische Gesetz seine bindende Kraft verloren habe. Zwar, benierkt Duran, liegt in der Anerkennung dieses Gesetzes als eines göttlichen zugleich der Begriff seiner zeitlichen Unveränderlichkeit und Unauflösbarkeit, da ein Gesetz, das göttlichen Ursprunges ist, absolute Vollkommenheit in sich tragen müsse, und von Gott annehmeu, daß er das von ihm selbst gegebene Gesetz verändert oder aufgehoben habe, soviel bedeute, als hätte er sich selbst verbessert. Doch soll davon abgesehen und blos untersucht werden, ob denn wirklich der 'Stifter, der christlichen Religion und dessen Jünger mit der Absicht das Zndenthum aufzuheben, aufgetreten seien. Ein Blick auf die Religionsbücher des Christenthums geworfen bezeugt das Gegentheil. Jesus selbst verwahrt sich öfters dagegen, als wollte er das Gesetz umstoßm durch die Erklärung ״Ich bin nicht gekommen zu nehmen von der Lehre und auch nicht hinzuzufügen" ferner ״eher würde Himniel und Erde vergehen, ehe denn ein Jota oder ein Kränchen vom Gesetze vergehen sollte, daß es nicht erfüllt werde." *) Das Einzige, was er beabsichtigte, sei demnach gewesen, eine strengere über die mosaische noch hinausgehende Sittenlehre seinen Anhängern einzuschärfen. Sein ganzes Leben beweise, daß er essehr genau milder Ausübung der religiösen Vorschriften genomrnen wissen wollte. Ebensowenig habe er an eine Heidenbekehrung gedacht, nur das Wohl seines Volkes habe ihm am Herzen gelegen. Auch erzählen nicht seine Jünger, daß er wegen Uebertretung des Gesetzes, sondern weil er der Me-sias zu sein behauptete, gekreuzigt worden sei. Diese selbst lebten noch strenge nach dem Gesetze. Petrus sagte von sich, daß er nie Unreines geuos- *I Matthäus, 5, 17—19.