Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Studien über die Tosifta I
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 4)
- Language
- German
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Studien über die Tostfta. 129 keinen religiösen Aet, mithin Mich nicht das Gebot des Schofar vollziehen (3, 8). So groß aber auch die dem Schofar beigelegte Bedeutung sein mag, durfte man doch zur Zeit des Tempels, wenn der Neujahrstag auf Sonnabend fiel, nur in Jerusalem und in dem Umkreise der Stadt allein in die Pasaune stoßen.l) Erst R. Jochanan b. Sakkai führte die Anordnung ein, daß man in allen Synhedrial-Städten am Sonnabend Schofar blase.!4, 12). Dieser Tanarte hat übrigens nicht blos durch die Zerstörung des Tempels gebotene, sondern auch anderweits nothwendige Neuerungen eingeführt. So, daß man י) Unter den Commentatoren hat Maimonides allein die richtige Erklärung für במקדש. Man vergl. Schekalim 1, 3 Sukkoth 3, 12, Nastr 6. 6. Nur an zwei Stellen nimmt die Mischna das Wort in engerem Sinne als Bezeichnung für den Tempel: Sota 7, 6 und Bechoroth 6, 2 — das Wörtchen ועוד, mit welchem die zweite Mischnah des vierten Perek beginnt, hat den babylonischen Amoräern viel zu schaffen gemacht und sie konnten auch nicht umhin, die Mischna zu ergänzen. Ich möchte den Versuch wagen, die Mischna auf eine andere, einfache Weise zu erklären. In den dem Talmud vorangestellten Mischnajoth bilden 1 und 2 ein Ganzes; nach meinem Dafürhalten dürfen sie aber nicht getrennt werden, denn die Worte אמה לו beziehen sich auch aus den mit ועוד beginnenden Passus. R. Elieser wollte mit aller Gewißheit Jamnia als die einzig rechtmäßige Erbin Jerusalems anerkannt sehen, diesem Ansinnen widersetzten sich die Chachamim, denn, so sagten sie: R. Jochanan ben Salkar habe die Verfügung getroffen, daß man in allen Synhedrial-Städten Schofar blase. Zur Zeit des Tempels freilich war es ein Vorrecht Jerusalem's, am Sonnabend des Schofars sich zu bedienen; aber die h. Stadt hatte noch ein zweites Vorrecht, und dies bestand darin, daß man in Bezug auf das Schofar-Gebot die Grenzen der eigentlichen Stadt viel weiter als sonst ausdehnen durste, während man in Jamnia, was doch auch R. Elieser Zugeben mußte, nur im Synhedrial-Gebäude (בפני בית דין) allein blasen darf. So wenig man also Jamnia in Bezug auf den Umfang des Stadtgebietes Jerusalem gleichftellen kann, ebensowenig darf man es hinsichtlich des Schofarblasens am Sonnabend als die mit gleichen Praerogativen ausgestattete Erbin der h. Stadt betrachten. Nimmt man Mischna 2 als Fortsetzung der Contrvverse, dann ist es ganz klar, warum die Chachamim von Jamnia allein sprechen, während es nach den hergebrachten Erklärungen immer aufsallend bleibt, warum denn gerade von dein Gegensätze zwischen Jerusalem und Jabne die Nede ist. Vgl. noch die zwei Boraithot p. 30 a. 9 t an! c l, Monatsschrift XXIV. S. 9