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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1875-01-01 · Heft 3 · p. Seite 119

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
24 (1875)
Issue
Heft 3
Article
Neue Wahrnehmungen an Eldad Haddani, Jehuda ben Koreisch und Saadia
Date
1875-01-01
Page
Seite 119 (sequence 9)
Language
German
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Jehuda ben Korsisch und Saadia. 119 sicherlich für muslimische Ohren nnd Herzen accomodirt. Für ״Kain" hat er ״Kabil", wie der Korsn; Gen. 4, 8 ergänzt er, rakter der Volkslileratur, sondern den Charakter schlechter Geschichtsconstruc- Lion an sich trägt, daß es nur selten volksthümlich, vielmehr zumeist religiös- oder geschichtlich-pragmatisch gehalten ist; und es ist nur die Frage, ob der Autor dieses Stückes mehr Unkenntniß oder mehr Willkür in seiner Behandlung jüdischer Traditionsgeschichte bekundet. Offenbar hat ihm oder der Quelle, welcher er folgt, der classische erste Abschnitt von Aboth vorgelegen. Während nun dort für die biblische Zeit als Fortpflanzer der Tradition ganz allgemein die זקנים, dann die נביאים und die אנשי בנסח הגדולה genannt werden, nahm unser Autor die Bibel her, schrieb alle Richter, fromme Männer und Propheten aus ben Büchern Richter, Samuel und Könige heraus, nahm dann die schriftstellerischen Propheten der Reihe nach her und verzeichnete ihre Namen, so wie sie im Kanon auseinander folgen. Da Jesaias Reden das Unglück haben, erst nach den Büchern der Könige zu stehen, müsien Jesaia und sämmtliche schriftstellerischen Propheten erst nach dem babylonischen Exile leben und von einander das eine Thora-Exemplar empfangen. Ezra übergibt es unmittelbar Simeon dem Gerechten. Es ist merkwürdig, daß die Volksliteratur, welche unser Autor nach de Lagarde repräsentirt, so wenig von den Männern der großen Versammlung zu erzählen weiß; hier wäre doch für sie ein weiter Spielraum geboten gewesen. Von Simeon dem Gerechten abwärts herrscht eine noch ziemliche Uebereinstimmung zwischen unserem Berichte und Aboth I bis Mischna 10. Dem christlichen Autor ist es zu verzeihen, wenn er mit dem Eintritte des Christenthums auch einen Wendepunkt in politischer Beziehung voraussetzt. Er läßt darum die ihm bekannten Hohepriester Hanan und Kaifa, Jesus Zeitgenossen, in den letzten Tagen der Dynastie als Traditionisten fungiren. Die Juden müssen mittlerweile alles Schlechte anstellen, müssen Götzen- und Sterndienst treiben, bis ihr zweiter Tempel zerstört wird. Vielleicht hat die לבנה mm דמות, deren R. Gamaliel sich bei den Neumondsberechnungen bediente, dem Scharfsinne unseres Autors Gelegenheit gegeben, in den Juden jener Epoche Verehrer der Gestirne zu erblicken. Ihm, der in seiner scharfen Erfassung der Verhältnisse die politischen mit den religiösen Katastrophen des jüdischen Volkes zu verbinden weiß, ist auch bekannt, daß nach der Zerstörung Jerusalems durch TituS auch Betar durch Hadrian zerstört wurde. Mithin war nach Jerusalem Betar der Sitz der Traditionisten und ihres einzigen Thora-Exemplars. Dorthin läßt er die Hohepriester die Thora führen und sie dem Semaja und Abtalion, den Letzten, die er mit Namen nennt, übergeben. Aber auch Betar wird zerstört, und die Juden leben weiter und sind noch weiter im Besitze ihrer Lehre, haben sogar in Babylon eine recht hübsche Existenz, leben unter der Herrschaft eines Nesch-Glutha aus dem Stamme Davids, und der Einfluß der babylonischen Inden und ihrer Schulen reicht weit hinein in alle Länder der jüdischen Diaspora. Woher das? Ml gewöhn-

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