Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Zur Halachakritik
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 475 (sequence 5)
- Language
- German
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Gemara zur babylonischen. 475 beachtenswerth ist — glaubt er in diesem Traktat ganz besonders freien Spielraum für Emendationen gewonnen zu haben und er macht uon diesem sich gegebenen Rechte nicht spärlich Gebrauch. Nicht nur die Mischna au dieser Stelle, sondern auch die Tosifta, obwohl er ihr mehr Anspruch auf Beachtung zuspricht, als es die Vorgänger gethan, sei corrumpirt, und hier guckt schon die spätere Hypothese von den verschiedenen Sammlungen, die verloren gegangen sind, hervor.') (S. 76, 77). Aber wir fragen, was würde ein Philologe zu einer so gewaltsamen Kritik sagen? Das Zeugniß zweier vorhandenen Codices in Mischna 3. wird verworfen auf Grund von Schlüssen, die, wie wir später zeigen, nicht einem Windstoß, sondern einem Lufthauche weichen. Mindestens mußten doch die Corruptele diploinatisch oder sonst wie gerechtfertigt werden. Allerdings wird eine solche Rechtsertigung versucht S. 74. Aber seltsam, daß der Correktor der Tosifta und der Mischna denselben Jrrthum da und dort eingeschmuggelt hat, oder, wenn es eine und dieselbe Person ist, warum hat er nicht die Verschiedenheiten zwischen beiden Codices lieber geglättet? Die allgemeine Annahme, es habe Edojoth noch größere Partien von Halachas enthalten, die später ausgeschieden wurden, uracht es noch lange nicht wahrscheinlich, daß gleich zu Anfang derartige Fehler sich eingeschlichen haben. Aber was haben wir durch die neue Erklärung vr. Düuners für unsere äußerst wichtige historische Frage gewonnen? Sie ist kaum berührt, weil er sie für beziehungsweise geringfügig hielt, oder weil sie ihn nicht mit Schärfe erfaßt hat. Er kehrt, wie er sagt, zur Erklärung Luzzato's zurück. Aber während mir bei Luzzato doch eine Antwort erhalten auf die Frage, wie es um die Abrogirung von Halachas thatsächlich stand, gehen wir bei Dünner ganz leer >) Uebrigens gebührt das Verdienst M dieser Hypothese von den verloren gegangenen Mischna-Sammlungen keinem anderen, als Herrn vr. Geiger lvgl. K. CH. III. a. a. O. Die Einwendungen Luzzatos, ähnlich denjenigen, die ich gegen vr- Dünner vorbrachte.)