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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1874-01-01 · Heft 10 · p. Seite 473

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
23 (1874)
Issue
Heft 10
Article
Zur Halachakritik
Date
1874-01-01
Page
Seite 473 (sequence 3)
Language
German
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Gemara zur babylonischen. 473 Napoport nun, bei dem es, wie Dünner richtig sagt, brauste und gährte, der mit seinem Herzen tief im Alten wurzelte, aber nicht die Augen verschließen konnte vor den gewaltigen Zeitfragen wie es die Schulchan-Aruch-Parthei ') thut, setzte alle Hebel seines Scharfsinns in Bewegung, (K. Ch. V. 170 ff.) um die notorisch vorhandenen Schwierigkeiten zu heben. Er mußte sich sagen, daß es sich hier nicht um eine einfache Erklärung einer schwierigen Mischna handle, es handelt sich praktisch um das Recht der Abrogirung einer Halacha in der Gegenwart, und theoretisch uni die Frage der Entwickelung der Halacha. Wie stehts um die Thatsache, die in der Mischna ausgesprochen ist? Hat eine Halacha von einer späteren Versammlung wirklich nur unter der angegebenen Bedingung aufgehoben werden können? Wo hatte man den Maaßstab, die חכמה abzumessen oder die Wage, sie abzuwägen? Oder hat diese Beschränkung zu einer Zeit nicht gegolten und ist sie erst später eingeführt worden? Welches ist der toiminus »6 gvem? Diese Frage ist für das Studium der Halacha, beziehungsweise und absolut wichtig. Und sie ist bis jetzt nicht richtig beantwortet. Luzzato meint (a. a. O.), diese Schranke, daß ein späteres בית רץ den Beschluß eines früheren nicht ausheben könne, sei von R. Jehuda Hanaffi bei Redaction seiner Mischna aufgestellt worden, während früher in dieser Beziehung Freiheit in der Abrogirung geherrscht habe, wie die oft J) Ist einmal eine schwierige Zeitfrage aufgeworfen, so kann man nicht, wie diese Parthei wohl meint, die zu den kritischen Fragen gar nicht Stellung genommen, Gott die Sache anheimstellen, im klebrigen die Hände ln den Schoost legen. Es giebt gewiß im Judenthum Glaubenssätze, die unantastbar sind; wir rechnen dazu תורה מן השמים (vgl. 4. B. M. 15, 31, 5 B. M. 27, 26 und die Erklärung Nachmanis und Obadja Storno) aber die Halacha vor jedem Luftzug der Kritik zu hüthen ist Mangel an Einsicht. Bezeichnend ist, daß die Schlange (נחש קדמוני) von einem Extrem zum anderen übergeht. Erst sagt sie ״ihr dürft wohl nicht essen von allen Bäumen des Gartens" und bald darauf das gerade Gegentheil. Das Extrem kennt nur ein entweder — oder, keinen Mittelweg. Dieser aber ist von Gott vorgezeichnet. Gewiß giebt es Gränzcn für die Kri, tik, aber deshalb gar keine Kritik!?

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