Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 10
- Article
- R. Simeon ben Zemach Duran
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 455 (sequence 9)
- Language
- German
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R. Simeon den Zemach Daran. 45S den Lehren der Religion vereinbare hält, so ist er, wenn auch dieselbe in Wahrheit eine der Religion widerstreitende und damm verwerfliche ist, noch keineswegs ein Ketzer. So gab es einen Tanäiten, welcher die Ewigkeit der Welt behauptete, einen anderen, Hillel, welcher die Ankunft der messianischen Zeiten in Abrede stellte, die wir aber doch gewiß darum nicht zu den Ketzern zählen werden. Diese Toleranz müsse nach allen Richtungen hin geübt werden, sowohl Denjenigen gegenüber, die in ihrer geistigen Beschränktheit mit dem Wesen Gottes anthropomorphistische Vorstellungen verbinden, als auch Denjenigen gegennber, welche durch die philosophische Spekulation verleitet, zur Annahm e gelangten, daß irgend eine Grundlehre nicht erwiesenermaßen vom Pentateuch gelehrt werde. Sie können wohl als Irrende, aber durchaus nicht als Leugner gelten. Es wäre daher vollkommen ungerechtfertigt, wollte man etwa Maimuni, der z. B. die biblischen Berichte über Bileams Eselin als bloße Fiktion erklärt, oder Gersonides, welcher die Zeitlich« keit der Welt leugnet, der Häresie anklagen. ') Endlich müsse noch der Grundsatz festgehalten werden, daßunsere Religion uns nicht z w i n g t, e i n d e r Vernunft w i d e r s p r ech e n d e L D o g m a a n z n n e h m e n. 2) Die anthropomorphistisch klingenden Ausdrücke der Schrift seien daher nach dem Vorgänge Onkelos' und Jonathans in metaphorischem Sinne aufzufassen. Obzwar es Duran offenbar Ueberwindung kostet, gegen Maiuruni, den er fast immer aus Ehrerbietung הרב מורה צחק nennt selbständig vorzugehen, kann er es trotzdenl nicht unterlassen, seine eigenen Ansichten über den Begriff und die Anzahl der Glaubensgmudlehren aufzustellen. In der Definition derselben ') Wahrscheinlich ein Seitenhieb gegen Schem-tob ben Schemtob. s) Ein alter allgemein geltender Grundsatz; S. Jbn-Ezra, Einleitung zur Pentateucherklärung; vgl. Geiger, Zeitschr. V, 84, Schmiedel, Studien über die jüd. Religionsphilosophie, S. 173, 326.