Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 9
- Article
- R. Simeon ben Zemach Duran
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 405 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829444-2829454-2868187--15693-2868216- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
R. Simeon ben Zemach Duran. 405 Ties gilt vorzugsweise von seinem religionsphilosophischen und dogmatischen Werke Magen Aboth. ') Dasselbe ist im en,inenten Sinne des Wortes eine T e n d e n z s ch r i f t. Es hat nicht allein die Absicht, die jüdische Mitwelt über das Wesen und den Inhalt des Judenthums gu belehren, es will auch Front machen gegen gewisse religiöse und geistige Strömungen, die um diese Zeit in ihrer Mitte zur Erscheinung getreten waren. Es hat sonach neben seiner literarischen auch eine cultnrhistorische Bedeutung. Um jedoch die religiöse Bewegung sei,rer Zeit zu erkennen, müssen wir sie auf ihre Quellen zurückführen und un, mehrere Jahrzehnte zurückgreifen. Das vierzehnte Jahrhundert wird in der Geschichte der spanischen Inden gewöhnlich das Jahrhundert des Verfalls genannt. Und mit Recht, in soweit eine Zeit nach der Bedeutsamkeit der richtunggebenden Männer, die sie erzeugt, gemessen wird. Vergebens sehen wir uns nach Männern um, die um eine Kopfeslänge über die tüchtige Mittelmäßigkeit hervorragten. Mit Ben Aderet und Ascher b. Jechiel wird die klassische Periode der Talmudforschunz abgeschlossen; G e r s o n i d e s, der sich in den Anfang des 14. Jahrhunderts hineinverirrte, bezeichnet den Schlußstein einer ebenso kühnen als originellen philosophischen Durchdringung des Judenthums. Nach Diesen tritt eine Erchöpfung in der pfadfinderischen literarischen Produktionskraft ein. Die Blüthenkelche der jüdischen Literatur waren eröffnet, nun kan, die Zeit der emsig sammelnden Bienen heran. Gemiß, für den Literarhistoriker, der in ihr nur geringe Ausbeute findet, ein trostloser Anblick! Aber jetzt beginnt die Arbeit des Culturhistorikers. Dieser richtet nicht sein Augenmerk auf die Blüthen der Literatur, sondern auf ihre Früchte. Er wartet die Zeit ab, bis die von großen Geistern ans edlem Erz geprägten ') Livorno, 1785, IV.