Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Zur Geschichte des constanten Kalenders
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 377 (sequence 3)
- Language
- German
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Zur Geschichte des konstanten Kalenders. 377 auf die astronomische Unfehlbarkeit des Kalenderrath es zn schwören; und ich staune nur, daß nach Herr S. nicht das Ptolemäische System als die reifste Frucht des judäischen Syuhedrion bewundern läßt. Hätte ich in Wahrheit — wie es eben nicht wahr ist — gesagt, die Begründer des Kalenders waren dem damaligen Stande der Wissenschaft weit voraugeschritten, denn allerdings hätte die an mich gestellte Frage, wie ich den Alten eine fehlerhafte Beobachtung zumnthen kann, ihre volle Berechtigung. Ich habe aber nachgewiesen, was Herr S. ganz unbeachtet läßt, daß inan in Judäa wohl die Länge des synodischen Monates,keineswe' ges aber die des tropischen Jahres auseigenen Mitteln eruiren konnte und gerade deshalb,weil die Chronologen das Sonnenjahr mit einigen Minuten länger angenommen, kann und darf man nicht erwarten, daß ihre Beobachtungen genau und zuverlässig gewesen. Die letzten kalendarischen Arbeiten Slonimski's datiren aus dem Jahre 1864 rmd in diesen vertritt er die Ansicht, die Adda'sche Tekupha stamme aus dem 10. Jahrhundert und die Hauptprincipien unseres auf der Samuel'schen Tekupha beruhenden Kalenders seien dem Almagest entlehnt. Denn sowohl die mittlere Monatslänge als auch die Epochen unserer Moledoth und Teknphoth sind nichts anderes als den Ptolemäischen astr. Tabellen entlehnte Daten. Also, alles hätten die Begründer des Kalenders von den Griechen, warum gerade die Länge des tropischen Jahres nicht? So muß doch jeder fragen, der da weiß, daß der Samuei'schen Tekupha das julianische und nicht das Ptolemäische Jahr von 365d 5h 55' 12" zu Grunde liegt. Man braucht gar nicht das astronomische Moment in Betracht zu ziehen und muß doch diese Hypothese für unhaltbar erklären, einmal weil es unerklärlich bleibt, daß die Begründer des Kalenders nur die mittlere Länge des synodischen Monates und nicht auch die des tropischen Jahres dem Almagest entlehnt und weil zweitens die von der Meton'schen abweichende Schaltordnung unseres Cyklus keine blos zufällige sein kann (vgl. m. Schrift p. 39 ff. 75 ff.). Ohne den zweiten Punkt auch nur zu erwähnen, glaubt Herr S.