Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Verwahrung
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 372 (sequence 6)
- Language
- German
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372 Verwahrung. aus den verschiedenartigsten Bestandtheilen zusammengesetzt, die zum großen Th eile den palästinensischen wie babylonischen Schulen unbekannt gewesen, da die Tosephtha erst nach Abschluß des Talmuds von einem Sammler redigirt worden ist, der nicht nur autoritative, sondern auch solche Sammlungen benutzt hat, die, weil nicht von R. Chija uub R. Oschaja redigirt, nicht anerkannt waren. Waren aber deshalb die authentischen, nur aus den angegebenen Griinden in den Amoraimschulen nicht berücksichtigten Boraithotbestandtheile keinem einzigen Amora, also auch nicht R. Jochanan bekannt? Wer von einiger Talmudbelesenheit mit ein wenig gesundem Verstände würde so etwas behaupten? Wer nur einigermaaßen mit der Bedeutung N. Jochanan's in der talmudischen Literaturgeschichte bekannt ist, der weiß, daß sehr oft die bedeutendsten Amoraim ihre früheren, vermittelst logischer Folgerungen erzielten Erklärungen der Mischnah wie codificatorische Resultate in Folge von Mittheilungen der direkten oder indirecten Schüler dieses Amora (כל נחט־זי) aufgegeben haben. Und was war der Grund dieser unbedingten Uuterwerfung? Immense Belesenheit in den Mischnahquellen, mit anderen Worten, immense Belesenheit in den Boraithoth. Hierauf und nicht auf ״äußerer Organisation", ״äußerm Oberhaupte" beruhte die nicht weniger in Babylonien als in Palästina allgemein anerkannte Autorität R. Jochanan's. Denn dieser Amora war, wie es auch wohl Herrn Z. bekannt sein wird, weder Naßi noch Resch Galuth. Und die große Boraithothbelesenheit besaß R. Jochanan in einer Zeit, in der ״das Studiunr der Boraitot durch Rabbi's Mischna beinahe gänzlich verdrängt" war. Welchen Widerspruch findet nun Herr Z. zwischen der Thatsache der Vernachläßigung des Boraithotstudiums und meiner obigen Ansicht über Wesen und Ursprung der Tosephtha? Daß die Entdeckung des Widerspruches auf einer Verwechselung des Subjects mit dem Objecte des citirten Satzes beruhe, darf ich nicht