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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1874-01-01 · Heft 7 · p. Seite 333

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
23 (1874)
Issue
Heft 7
Article
[Rezension] / P.
Date
1874-01-01
Page
Seite 333 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Recenfionen. 333 zum Theil noch ungedruckten Quellen sind interessant. Neuen Ansichten begegnen wir hier freilich fast gar nicht; vielmehr sind es meist die allen in wenig veränderter und verbesserter Gestalt, und überdies manchmal recht weit ausgeholt, die wir in des Verfassers Auseinandersetzungen wiederfinden. So lesen wir zum Beispiel, daß man bis auf Karl den Großen zurückgehen müsse, um die ersten Ursachen der intellektuellen Thätigkeit, die sich von der zweiten Hälfte des 11. Jahrh. an unter den frz. Israeliten kundgab und besonders im 12. Jahrh. in merkwürdigen Werken hervortrat, zu finden (S. 43). Unrichtig scheint uns die Behauptung des Verf. (S. 49), daß die beständigen und vertraut freundschaftsichen Beziehungen, in welchen die Israeliten und besonders ihre Gelehrlen mit den wohlunterrichteten Christen und den Geistlichen lebten, ohne Zweifel unter ihnen den Gedanken hervorbrachten, den Talmud und die Schrift zugänglicher zu machen und zwar vermittels eines klaren und einfachen Commentars (S. 49). Es ist wahrlich von den Commentarien zum Talmud nicht im Entferntesten ersichtlich, in welcher Beziehung dieselben den Christen zu Gute hätten kommen sollen, und selbst den Arbeiten der damaligen Exegeten können wir höchstens neben anderen Zwecken auch den der Polemik gegen christliche Auslegungen zugestehen, keineswegs aber den, das Judenthum ״in den Augen der Christen zu heben oder sie die Achtung vor der israelitischen Religion und Literatur durch deren Erläuterung zu lehren" (S. 49). Dagegen ist es richtig, daß die ungünstige politische Lage der nordfranzösischen Juden die Veranlassung war, daß der jüd. Geist, anstatt sich über Dinge zu verbreiten, die der Religion mehr oder weniger fern lagen, sich auf sich selbst, auf das Studium seiner ureigenen Erzeugnisse zurückzog und vorzüglich Talmud und Midrasch bearbeitete. Daraus erklärt sich, daß die talmudische und agadische Auslegung Ln der Exegese Nordfrankreichs eine größere Rolle spielen, als in der des Südens. Die Unduldsamkeit, die den nordfranzösischen Juden die philosophischen Schulen verschloß, die streng christliche Färbung der Scholastik und die Unkenntniß der Gelehrtensprache, des Lateinischen, bewirkten ferner, daß die Rabbinen Nordfrankreichs von der herrschenden Zeitphilosophie völlig unberührt blieben und ihre Exegese von der allegorisch-philosophischen Richtung der südlichen Schule sich frei erhielt. Die französischen, den orientalischen durchaus unähnlichen Sitten, die romanische, der hebräischen völlig unverwandte Sprache endlich trugen auch nicht wenig dazu bei, der nordfranzösischen Exegese ihren eigenthümlicheu Charakter zu verleihen. Die Exegeten des Nordens waren gezwungen, die Bibel

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