Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension] / -rz.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Recrnsion. 287 sich jüngst so vertrauensvoll mit Ihren Dogmen gewendet, hat in seiner Undankbarkeit Ihrem berühmten Buche über den jüdischen Congreß den Kopf abgeschlagen und es unter dem vagen Rumpftitel ״Zur neuern Geschichte der Juden in Ungarn" seine Wanderung in die Welt von Neuem antreteu lassen. Wie leicht könnte nun Ihr Schooßkind, das auf schnöde Weise um seine Augen gekommen, die rechteBahn verfehlen, und um wie viel schwerer dürfte es ihm fallen, jenes Ziel zu erreichen, das es in seiner nrsprünglichen Gestalt vergebens angestrebt! Wir jedoch wollen dem Werke als einem alten Bekannten die freundliche Aufnahme nicht versagen, wir lösen blos das ohnedies nur angehestete neue Titelblatt vom Ganzen ab und.werden das alte Buch über den jüdiichen Congreß in Ungam nachträglich seines vollen Werthes würdigen. Die Aufgabe des Löw'schen Werkes bestand ursprünglich darin, den historischen Boden, auf welchem das Congreßproject emporgewachsen, abzugrenzen und zu beleuchten. Wenn nun der Verf., um dies zu Stande zu bringen, bis auf das letzte Derenninm des vorigen Jahrhunderts zurückgeht, so kann ihm dies umsoeher zum Verdienste augerechnet werden, als er doch nebenbei die Gelegenheit benutzen will, die Geschichte der ungarischen Juden während der letzten 80 Jahre mehr als blos skizzenhaft zu schildern. Wir finden in Wirklichkeit eine ganze Masse von Schriftstücken — Petitionen, Gesetzentwürfe und Gesetze, Organisationsplane, behördliche Urtheile, Gemeindebeschlüsse und Privatcorrespondenzen — in dem ziemlich starken Buche und es ist auch nicht zu läugnen, daß ein noch zu erstehender Historiker der ungarischen Inden reichhaltiges Material hier zusammengestellt, wenn auch nicht überall gesichtet, vorsinden wird; aber dieser künftige Geschichtsschreider wird wohl nicht, wie Löw es gethan, die Quellen als Text betrachten und nur einen Commentar dazu schreiben, so er der historischkritischen Methode nicht gänzlich entrathen wird. Löw hat sich auch in diesen! Buche als einen gelehrten und talmudkundigen Mann bewährt, aber anstatt in objectiver Weise kritisch zu verfahren, hat er den Pilpul in die Geschichtsforschung eingeschmuggelt. Ein gewandter Dialektir, ist er nie in Verlegenheit, was er auf dem Herzen hat,bei jedweder Gelegenheit vor — und ein Citat, das ihm durch eine sonderbare Jdeenaffociation in den Sinn gekom-