Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension] / -rz.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Recensiön. Löw's schwunghafte Feder hat seinen Namen über die Grenzen seines Ungarlandes hinaus ins Reich getragen, wie denn seine aus neuerer Zeit datirenden Schriften auch in diesen Blättern nach Verdienst gewürdigt worden sind. Wenn wir indeß, anstatt mit einer kurzen Anzeige uns zu begnügen, dem Löw'schen Buche eine Besprechung widmen, so geschieht dies nur aus dem Grunde, weil unsere Recensentenpflicht uns einer gewissenhaften Vergleichung der zweiten mit der ersten Auflage nicht entbindet. Derartige Gegeneinanderstellungen, so mühsam und lästig sie auch scheinen mögen, tragen immer ihren Lohn in sich selbst, insofern sie den aufmerksamen Beobachter bald mit Absicht verdeckte Emendat'onen, bald durch den Ausdruck gemilderte Kühnheiten als die untrüglichsten Merkmale einer eher verminderten denn vermehrten zweiten Auflage erkennen lassen; zuweilen erlebt man sogar die Genugthuung, die nicht maaßgebenden Winke eines bescheidenen Referenten, wenn auch nur stillschweigend, berücksichtigt zu sehen. Um Mißverständnissen vorzubeugen, wollen wir nun von vornherein erklären, daß ivir Herrn Löw nicht erst von heute ab zu jenen Männern zählen, die der Wahrheit stets die Ehre geben und keinen Augenblick säumen, ein übereiltes Urtheil znriickzunehmen oder einen gemachten Fehlgriff thunlichst abzuschwächen. Nur einen Vorwurf können wir ihm auch heute nicht ersparen, und so peinlich es uns auch ist, müssen wir es doch rügen, daß Löw Aushängeschild und Schaufenster seines vortrefflich sortirten Waarenlagers oder, was dasselbe ist, das Titelblatt seines voluniinösen Buches in sorgenloser Unvorsichtigkeit der Obhut seines Verlegers und Verwalters überlassen. Wer «n gras Bücher schreibt, wird man uns einwenden, braucht sich um solche Kleinlichkeiten nicht zu kümmern, aber wer umsichtsvoll zu Werke geht, wird auch nicht im Geringsten auf Andere sich verlassen. Und daß man dies in Wirklichkeit nicht darf, wollen wir Herrn Löw an einer Kleinigkeit beweisen. Ein harmloser Referent, der sich im Besitze der ersten Ausgabe seines Buches befindet, ist so glücklich, auch der zweiten habhaft zu werden. Nichts Böses ahnend, fängt er die Vergleichung der so leicht zu verwechselnden Geschwister gleich vorn auf dem Titelblatte an, und zu seinein nicht geringen Schrekken bemerkt er, daß man ihm ein kopfloses Buch an den Kopf geworfen. Sehen Sie, Herr Oberrabbiner, Herr Aigner, an den Sie