Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Halachakritik
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829444-2829451-2867996--15546-2868046- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Gemara zur babylonischen. 281 wollen, fordern mir unsererseits, daß sie alle Stellen erst gründ-!ich erforschen und prüfen, ehe sie widerlegen. I. Auch nur eine oberflächliche Coufrontirung der Tosifta und Mischna Oholot fördert das Ergebniß zu Tage, daß wir geordnete Codices vor uns haben, den einen zwar in etwas verstümvielter Gestalt, aber man überzeugt sich bald, daß die fehlenden Stellen in der Tosifta ohne Aenderung in die Mischna übergegangen sind und jene daher leicht zu ergänzen ist.י) Richtet man sein Augenmerk nun auf die Varianten, so findet man, daß alle Schwierigkeit, welche die Commentatoren in der Mischna angeregt und die zu beseitigen ihnen nicht gelungen ist, vollends verschwinden nach Auffassung der Tosifta. Ein Vergleich beider Codices zu einander führt zur Erkenntniß, daß die Mischna ein gekürzter oft nach anderen Principien hergestellter Codex sei, und daß in Betreff der Ordnung sowohl der Abschnitte als der einzelnen Bestimmungen die Tosifta der Mischna den Vorrang ablaufe. Wir müßten ein ganzes Buch schreiben, wollten wir eine solche Variantevergleichung durchführen, auf die wir» wie schon angegeben, durch Anregung der Lehrmethode des seltenen Mannes R. Eiiah Wilna, wenn auch nicht ihm immer folgend, geführt wurden. Wir würden für unfern Zweck auch nicht viel gewonnen haben, da über Erklärungen sich streiten läßt. Während wir das unzweideutige Resultat gefunden, daß diese Varianten auf einen verschiedenen Standpunkt Hinweisen, so könnte ein pilpulistischer Kopf die Identität beider beweisen wollen, wobei letzter im Vortheil wäre, da er sich auf die Autorität der bisherigen Erklärer beruft. Andererseits würde ein Gegenfüßler wenn seine kostbare Zeit mit der Erklärung der Tosifta und *) Der erste Abschnitt dieses Traktats liefert schon den klaren Beleg hierzu.